Sonntag, 3. August 2014

Baumwolle - Rohstoffe im Fokus Teil II

Im zweiten Teil zu den Rohstoffen geht es jetzt mit Baumwolle weiter.
Ein paar einleitende Worte habe ich ja schon im ersten Teil verloren, diese spare ich mir jetzt also und wir steigen direkt ein.

Ebenso wie Mais ist auch Baumwolle im Preis in den letzten Wochen und Monaten stark gefallen. Die Preisbasis bei Baumwolle ist Pfund. Ein Pfund entspricht ca. 0,45 kg. Seit Mai ist der Preis stetig von 0,95$ auf aktuell $0,63 gesunken. Gut zu sehen am folgenden Chart von nasdaq.com

Baumwollpreis seit 2005
Baumwollpreis seit 2005


















Im Chart seit 1980 sind die letzten Daten noch nicht im Chart zu sehen aber wir wissen ja, dass der aktuelle Preis bei $0,63 liegt. Hier der Chart dazu.

Baumwollpreis seit 1980
Baumwollpreis seit 1980
















Insgesamt ist die Chartsituation also ähnlich zu der von Mais. Nun ist auch hier die Frage, wie hoch die Produktionskosten bei Baumwolle sind und ob sich ein Investment lohnt.
Vorerst noch ein paar Informationen. Die Weltmarkt-Produktion 2012 betrug 26 Mio. Tonnen Baumwolle. 26% davon entfallen auf China, 20% auf Indien und 14% auf die USA.

Bei der Kostenrecherche zu Baumwolle war es etwas schwieriger als bei Mais. Als erstes möchte ich eine Aussage der Bremer Baumwollbörse anbringen.
Im Zeitraum 2012/13 seien die Produktionskosten für ein Kilogramm der Fasern weltweit um 23 Prozent auf 1,09 Euro (1,5 US-Dollar) gestiegen, teilte die Bremer Baumwollbörse am Freitag mit.
Allerdings gibt es zu Baumwolle noch weitere Fakten die wichtig sind. Dazu einige Informationen aus dem Jahr 2007 von rpoth.at.
Seit 1960 sank der Anteil der Baumwolle am Textilfasermarkt von 68% auf nur mehr 38%. Noch drastischer ist der Wertverlust der Exporterlöse: Gemessen an der Entwicklung der Exportpreise für Industriewaren sank ihr Weltmarktpreis auf ein Fünftel des Niveaus von 1960.
Die Baumwollpreise haben kaum vom zuletzt raschen Wachstum des Textilfasermarkts profitiert. Die Zunahme des Pro-Kopf-Verbrauchs wurde großteils durch Kunstfasern aus Asien, vor allem China gedeckt. Die Konkurrenz insbesondere mit Polyesterfasern setzt dem Preis der Baumwolle zudem eine Obergrenze: Wird sie zu teuer, wird sie durch Kunstfasern ersetzt.
Erst der Preisverfall zwischen 1998 und 2002, eine Folge der Asienkrise, des Ausfalls der Importe Chinas und der US-Subventionen, hat der Baumwollnachfrage auf die Sprünge geholfen. Die gleichzeitige Ausweitung des Angebots durch steigende Hektarerträge, Subventionen und Zölle sowie Wechselkurs-entwicklungen haben jedoch dafür gesorgt, dass Baumwolle kaum kostendeckend exportiert werden kann.
Diese Informationen sind natürlich sehr wichtig. Von einem Wachstum der Textilindustrie kann Baumwolle also nicht voll profitieren, da sie zunehmend durch Kunstfaser ersetzt wird. 
Noch besser wird das Bild wenn man sich dem Thema Subvention widmet. Hier gibt es alarmierende Daten. Von 1997 - 2005 wurde Baumwolle weltweit mir ca. $40 Mrd. subventioniert. Dazu noch ein Zitat von rpoth.at.
2002 wurde US-Baumwolle zu Preisen am Weltmarkt abgesetzt, die um 61% unter den Produktionskosten lagen. Auch die Produktionskosten westafrikanischer Baumwolle liegen heute um 30% über dem Weltmarktpreis
Insbesondere China schützt seine Baumwollproduktion mit Einfuhrzöllen und importiert weitgehend nur, was nicht selbst produziert werden kann. Indien erzielt infolge steigender Erträge neuerdings Überschüsse und wurde wieder ein bedeutendes Exportland.
Es scheint also hier so zu sein, dass die Produktionskosten zwar deutlich über dem aktuellen Weltmarktpreis liegen, das aber kein Problem darstellt, da die Unternehmen massive Subventionen erhalten. 
Aus diesem Grund halte ich Baumwolle aktuell für kein attraktives Investment. Wenn der Markt so massiv von Subventionen und Protektionismus beeinflusst wird, dann ist der Marktpreis nicht immer rational und kann noch lange Zeit so niedrig bleiben. 
Trotzdem werde ich Baumwolle im Auge behalten. Wenn der Preis unter $0,50 sinken sollte, wäre eine zweite Analyse sicherlich sinnvoll.  

Auch Mais wird in den USA stark subventioniert, hier eine genaue Zahl pro Hektar oder Bushel zu erhalten ist schwierig. Für mich bleibt Mais trotz dessen ein interessantes Investment. Ihr solltet nur wissen, dass das Thema Subventionen bei fast allen Agrarprodukten eine Rolle spielt.  
Allgemein gibt es zu den Subventionen wenig Daten über die genauen Auswirkungen, welcher Staat will sich schon etwas vorwerfen lassen. Trotzdem kann man davon ausgehen, dass sie einen Einfluss haben, aber auch nicht die Schwankungen im Weltmarktpreis erklären können. 
Dazu noch ein paar Informationen von Wikipedia.
Die Auswirkungen der US-Agrarsubventionen im Gesamten wurden bisher nicht mithilfe Allgemeiner Gleichgewichtsmodelle geschätzt. Dennoch gibt es Studien über die Effekte einzelner Programme. Beghin et al. (2003)[43] zu dem Ergebnis, dass der Weltmarktpreis von Zucker 13 % höher liegen würde, wenn die Zuckersubventionen in den USA abgeschafft werden.[44] Mehrere Studien fanden ähnliche Preiseffekte durch die US-Baumwollsubventionen, wenngleich eine Studie auch einen geringeren Effekt ergab.[45][46][47][48]
Innerhalb der EU sind die Auswirkungen der GAP am signifikantesten. Anderson et al. (2006) schätzten, dass eine komplette Eliminierung der globalen Agrarsubventionen zu einem Rückgang der landwirtschaftlichen Produktion in der EU um 12,3 % bis 2015 führen würde. Auch würden Beschäftigung in der Landwirtschaft und Landpreise zurückgehen. Laut Berghin und Aksoy (2003)[76] würde der Abbau der Handelsbarrieren vor allem Produzenten von Baumwolle, Milchprodukten und Zucker schaden, während die Konsumenten von Zucker und Milchprodukten profitieren würden. Ähnliche Nutzenverschiebungen würde sich bei Getreide, Ölsaaten und Rindfleisch ergeben, wenngleich die Stärke der Effekte geringer wäre. Laut der meisten Analysen würden die Gewinne von Konsumenten größer sein als die Verluste von Produzenten.[77]
Es stellt sich also so dar, dass Subventionen den Markt zwar beeinflussen und auch die Produzenten, jedoch sehe ich dies als Konstante an. Die Subventionen verändern sich zwar, rechtfertigen aber nicht die teilweise starken Schwankungen der Marktpreise. Daher sehe ich Subventionen nicht als Hindernis für ein Investment, man sollte aber wissen was sie bedeuten.

Die Analyse zum Uran gibt es dann im dritten und letzten Beitrag zum Thema Rohstoffe.

Wenn ihr Anmerkungen oder Kommentare habt, dann würde ich mich freuen wenn ihr diese über die Kommentar-Funktion erfasst. Dort können wir dann gern über die Themen diskutieren.

Viel Erfolg beim Investieren, nobody.

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