Sonntag, 28. September 2014

Warren Buffett - Eine wahre Legende

In manchen Artikeln habe ich bereits Bezug auf Warren Buffett genommen. In diesem Beitrag möchte ich ihn kurz vorstellen. Er verwirklicht das, was Value Investing bedeutet. Er ist kein Theoretiker, sondern hat seit Jahrzehnten nachweisbaren Erfolg und hat den "Markt" mit Abstand geschlagen. 

Warren Buffett Bild
http://rt.com/files/news/21/91/c0/00/warren-buffett.jpg

Heute hat der 1930 in Omaha, Nebraska geborene Value Investor ein geschätztes Privatvermögen von $65 Mrd. Die von ihm und Charles Munger geleitete Holdinggesellschaft heißt Berkshire Hathaway und hat 25 Mitarbeiter. Damit werden Unternehmen und Unternehmensanteile verwaltet, die jährlich einen Umsatz in dreistelliger Milliardenhöhe machen. Dazu gehören 66 eigene bzw. gekaufte Unternehmen, wie der Versicherer GEICO oder Fruit of the Loom. Berkshire Hathaway besitzt zudem 9% von Coca-Cola, 11% der Münchner Rück und 14% von American Express. Weiterhin Anteile von Goldman Sachs, H.J. Heinz, IBM, usw.

Nur zum Verständnis von Warren Buffett. Die Webseite seiner Holding sieht so aus: http://www.berkshirehathaway.com/. Das ist kein Witz, sondern diese Seite zeigt genau, wie Warren Buffett tickt und worauf sein Fokus liegt. Keine Grafiken, keine Werbung, kein Schnick-Schnack. Die Inhalte stichpunktartig verlinkt und fertig. Das nenne ich Understatement. 

Warren glaubt an Amerika und ist eigentlich immer optimistisch für die Zukunft. Er glaubt an die amerikanische Wirtschaft und den Lebensstil. Eine eher typisch amerikanische Eigenschaft, die sich Europa vielleicht ein wenig abschauen könnte. 

Richtig angefangen hat die Erfolgsgeschichte 1965, mit der Beteiligung an der Textilfirma "Berkshire Hathaway" aus Massachusetts. Buffett merkte schnell, dass das Unternehmen und die Branche in den USA keine Zukunft haben. Also entschied er sich, die Firma durch Beteiligungen an fremden Unternehmen umzubauen. So wurde aus der im Niedergang befindlichen Textilfirma, eine der größten Holdings der Welt. Buffett kaufte eine Versicherung und eine Bank und begann so mit dem Umbau von Berkshire.

Mit sechs Jahren kaufte Buffett für 25 Cent Sixpacks von Coca-Cola und verkaufte die Flaschen dann einzeln für 5 Cent pro Stück. Sein Vater war Broker und so hatte Warren Buffett bereits mit elf Jahren seine ersten Aktien. Was danach folgte, ist die größte Erfolgsgeschichte des Value Investing überhaupt. 

Seit 1956 liegt die jährliche Rendite von Berkshire Hathaway bei etwa 20%. Der Aktienmarkt dagegen schaffte es in diesem Zeitraum nur auf ca. 8% pro Jahr. Damit ist bewiesen, dass der Markt über Jahrzehnte zu schlagen ist, zudem ist die Theorie vom "effizienten Markt" widerlegt. 

1951 wurde Warren Buffett Master of Economics an der Columbia University. Dort lernte er bei Benjamin Graham, einem der Väter des Value Investing. Graham bildete die Grundlagen des Value Investing und Warren Buffett belegte dann in der Praxis, was alles möglich ist.

1969 kostete die Aktie von Berkshire $43. Damals war Berkshire schon auf dem Weg zu einer Holdinggesellschaft. Heute gibt es A- und B-Aktien von Berkshire. Die A-Aktie, die nie gesplitet wurde, hat aktuell einen Kurs von $208.000 - unvorstellbar. 
Und das alles mit dem besinnen auf den inneren Wert eines Unternehmens, kombiniert mit einem langfristigen Denken und der Suche nach Aktien, die weit unter dem inneren Unternehmenswert gehandelt werden. 

Und Buffett denkt auch an die Zukunft seines Vermögens. Er hat es sich selbst erarbeitet und muss sich vor niemandem dafür rechtfertigen. Doch er beschloss, nach seinem Tod, ein Großteil seines Vermögens an die Bill und Melinda Gates Stiftung zu übertragen, eine der größten Stiftungen der Welt. Das hat keine Sonderapplaus verdient, jedoch ist so etwas nicht selbstverständlich unter Milliardären. 

Das war ein kleiner Überblick, mehr möchte ich gar nicht schreiben. Wer sich für mehr interessiert, der ist bei Google gut aufgehoben. 

Zum Abschluss habe ich noch ein Video verlinkt, welches die Faszination Warren Buffett gut zusammenfasst. 

Euch viel Spaß beim anschauen und bis bald.




Viel Erfolg beim Investieren, nobody.

Mittwoch, 10. September 2014

Shiller KGV und die Anwendung auf den S&P 500

Mit diesem Beitrag möchte ich etwas zum eigentlichen Blog-Inhalt beitragen. Bei den Analysen der vergangenen Beiträge habe ich versucht die Theorie des Value Investing anzuwenden. Nun zur Theorie an sich.

Value Investing

Value Investing bedeutet, dass man einen Euro für 50 Cent kauft. In der Praxis ist der eine Euro ein Unternehmen und die 50 Cent sind der Preis. Wenn man das versucht, sich also auf den Wert einer Aktiengesellschaft konzentriert und dazu langfristig denkt, dann kann man sich guten Gewissens Investor nennen. Wer aber nur auf den Aktienkurs schaut und wem die Fundamental-Kennzahlen egal sind (siehe Facebook, Tesla,...), der ist ein Spekulator.

Die Regeln des Value Investing sind simpel und jeder kann sie anwenden. Das wichtigste sind jedoch Disziplin und Ausdauer. Auch wenn es im Moment nicht gut läuft, muss man seiner Linie treu bleiben und darf nicht zweifeln. Kritisch sollte man immer sein aber Value Investing zahlt sich nicht nach 2 Jahren aus, sondern nach 20 Jahren.

Der Grundgedanke ist leicht zu verstehen. Man sucht sich Unternehmen mit einem vertrauenswürdigen Management, wenig Schulden und einer guten Finanzsituation, einem -für einen selbst- verständlichen Geschäftsmodell und historisch stetigen Gewinnen. Das sind die Kriterien für ein potentielles Investment. Wenn jetzt der Preis an der Börse noch stimmt, dann kauft man Aktien des Unternehmens, lehnt sich zurück und wartet ab. Denn stabile Gewinne und wenig Schulden eines Unternehmens sind der Freund jeder langfristigen Investition.

Nach diese Regeln können Facebook, Tesla, Amazon etc. kein Investment sein, sondern sind Spekulationen. Das kann sich ändern aber die Unternehmen sind nach Value Investing Grundsätzen in keinem logischen Verhältnis zu ihrer Marktkapitalisierung. Das kann sich im laufe der Zeit ändern aber aus heutiger Sicht ist das so.

Als einer der Vordenker oder "Gründer" der Value Investing Idee gilt Benjamin Graham, bei dem schon Warren Buffet lernte. 1949 schrieb Graham die "Bibel" des Value Investing, die bis heute alles enthält was man wissen muss um die "Idee" Value Investing zu verstehen. Das Buch wurde mehrmals neu aufgelegt und aktualisiert. Ich habe eine Version des Buchs, die nachkommentiert ist, mit aktuellen Unternehmensbeispielen etc. Auf Amazon kostet das Buch ca. 14€, die beste Investition auf dem Weg zum erfolgreichen Investor. Der erfolgreichste Value Investor der Welt sagt über das Buch: “By far the best book on investing ever written.”.

Shiller-KGV und S&P 500

Das KGV (Kurs-Gewinn-Verhältnis) errechnet sich durch Kurs einer Aktie, geteilt durch den Gewinn. Wenn eine Aktie 10€ kostet und 2€ pro Aktie als Jahresgewinn nach Steuern anfallen, dann ist das KGV 5 (10/2). Je kleiner das KGV, desto attraktiver scheint ein Unternehmen zu sein. Bei einem KGV von 5 ist das Unternehmen an der Börse so viel Wert, wie der aufsummierte Gewinn nach 5 Jahren. So zumindest die Theorie. Das KGV bezieht sich meist auf das letzte Jahr oder als Prognose für das aktuelle Geschäftsjahr eines Unternehmens. Allgemein gilt ein KGV von 10 oder kleiner als attraktiv. 

Man könnte jetzt denken, ok, bei einem KGV von 5 im Jahr 2013, sollte das Unternehmen in 5 Jahren so viel Gewinn gemacht haben, wie es heute Wert ist. Problem hierbei ist die Annahme, dass der Gewinn jetzt jedes Jahr gleich bleibt. Viele Analysten schätzen das KGV für das nächste Jahr oder sogar die nächsten Jahre. Daraus resultieren dann häufig Aussagen über den Wert des Unternehmens. Als Value Investor kann man diese Prognosen zur Kenntnis nehmen, sie helfen aber nicht weiter bei der Entscheidungsfindung.

Das vergangene KGV ist für mich neben dem KBV und der Eigenkapitalrendite eine der wichtigsten Kennzahlen. Das KGV allein hat aber wenig Aussagekraft. Wenn die zukünftigen KGV also nur reine Hoffnungen sind und das aktuelle KGV zu wenig Aussagekraft hat, was dann?

Der Nobelpreisträger Robert J. Shiller definierte das Shiller-KGV oder CAPE (cyclically adjusted PE). Es ist das KGV der letzten 10 Jahre (KGV10), bereinigt um Inflationseffekte. Die Gewinne (wenn es welche gab) der letzten 10 Jahre werden gemittelt und inflationsbereinigt. Dann wird dieser Durchschnittsgewinn mit dem aktuellen Kurs verrechnet und es ergibt sich das Shiller-KGV (KGV10).

Ich möchte das Shiller-KGV für den S&P 500 interpretieren. Der S&P 500 (Standard & Poor’s 500) ist ein Kursindex, in dem die nach Marktkapitalisierung 500 größten US-Unternehmen zusammengefasst sind. Er ist weit breiter gefasst als z.B. der Dow Jones und beinhaltet, nach Marktkapitalisierung, ca. 3/4 aller in den USA notierten Unternehmen. Bei einem Kursindex werden keine Dividenden reinvestiert, im Gegensatz zum Performance-Index. Der DAX ist ein Performance-Index, der S&P 500 nicht.

Kursziel S&P 500

Das Shiller-KGV lässt sich nun auf den S&P 500 anwenden und historisch vergleichen. Das aktuelle Shiller-KGV für den S&P 500 beträgt 27, bei einem Kurs von ca. 2.000 Punkten. Das ist ein absoluter Höchstkurs. 

Der Median seit 1880 liegt bei 15, der Durchschnitt bei 16. Für mich ist das einer der Gründe, warum ich von einer Überbewertung der amerikanischen Börsen ausgehe. Die aktuellen Gewinne und Gewinnschätzungen basieren auf historisch niedrigen Zinsen und einer Notenbank, die Geld quasi zinsfrei zur Verfügung stellt und dazu noch selbst Anleihen von Unternehmen aufkauft. Darin sehe ich die Gründe für die hohe Bewertung des S&P 500. 

Gehen wir mal von 20% "Ungenauigkeit" der historischen Mittelwerte des KGV10 aus. Bei einem Median von 15 ergibt das einen Bereich von 12 bis 18, in dem der S&P 500 im historischen Median liegt. Als konservativen Ansatz wähle ich also ein KGV10 von 18 als Kursziel für den S&P 500. 
Mit 18 müsste der Kurs aktuell bei 1.340 Punkten liegen. Hier noch eine Sicherheit von 20% aufgerechnet und das Kursziel liegt immer noch bei 1.600 Punkten. 
Wann diese Kurse wirklich eintreffen kann ich nicht sagen, ich bin mir aber sicher, dass es dazu kommen wird. 
Das KGV10 von 27 ist übrigens auch im Internationalen Vergleich sehr viel. In Griechenland liegt er bei 3,4, in Deutschland bei 16.

KGV10 des S&P 500
KGV10 des S&P500 seit 1880

Fazit

Natürlich ist es schwer, in Zeiten in denen die Börsen von Rekord zu Rekord jagen, etwas von zu hohen Kursen zu erzählen. Doch ich bin überzeugt davon und nenne damit mein Ziel für den S&P 500 von 1.300 - 1.600 Punkten. Das ist wohlgemerkt eine konservative Schätzung.
Ein Kurs von 1.100 Punkten (KGV10 von 15) halte ich aber auch für realistisch, vor allem wenn es zu einer Panik kommt. Jeder der sich mit dem Thema beschäftigt weiß, dass die Kurse auf ein gesundes Maß sinken müssen. Entweder mit einem Knall oder langsam, es ist aber unvermeidlich. 

Wenn man sich an die Prinzipien von Value Investing hält und danach den Markt und einzelne Unternehmen bewertet, dann kommt man zu dem Schluss, dass die westlichen Aktienmärkte überbewertet sind, und damit auch die Unternehmen. 

Man braucht Disziplin und Geduld, wenn man bei Apple, Facebook oder dem S&P 500 short geht, die Kurse aber jede Woche steigen. Doch das ist genau die Disziplin, die man benötigt um langfristig Erfolg zu haben.
Auf fallende Kurse zu setzen ist Spekulation, zumindest das Derivat dazu aber ich erachte es als bessere Alternative, als nur auf niedrige Kurse "zu warten". Wieso nicht schon an fallenden profitieren? Aber noch mal, das Kerngeschäft von Investing sind Unternehmen mit stabilen Finanzdaten und einem ansprechenden Gewinn. Alles andere kann nie der Kern des eigenen Portfolio sein, dass muss man sich immer wieder klar machen.

Langfristig hat nicht der Erfolg, der bei steigenden Märkten viel gewinnt, sondern der, der bei fallenden am wenigsten verliert. Ziel des Value Investing sind nicht möglichst hohe Gewinne, sondern der Schutz vor Verlusten. 

 Viel Erfolg beim Investieren, nobody.

Facebook-Aktie - Und ein wenig Apple

Hallo, nach kurzer Zeit melde ich mich schon wieder, da mir das Thema Facebook-Aktie unter den Nägeln brennt.
Ich halte die Aktie für massiv überbewertet und möchte euch nun näher bringen, warum ich das so sehe. Im letzten Artikel hatte ich bei Apple schon meine Zweifel angebracht, ob der Kurs gerechtfertigt ist aber bei Facebook sind es mehr als nur Zweifel.

Ein wenig Apple

Übrigens habe ich gestern die Apple Konferenz verfolgt und es ist passiert, was ich erwartet hatte. Das iPhone ist größer geworden und hat technisch zur Konkurrenz aufgeschlossen. Die Apple-Watch ist wie schon alle vorhandenen Smart-Watches, nur mit ein paar kleinen Verbesserungen. Ergo gab es -wie erwartet- keine Innovation oder ähnliches.
Darauf hin habe ich mich entschieden bei Apple Short zu gehen. Das heißt konkret, dass ich ein Zertifikat gekauft habe, welches mit einem 3-Fachen Hebel den inversen Kurs der Aktie abbildet. Beispiel: Sinkt Apple um 10%, steigt mein Zertifikat um 30%. Das ist die Kurzerklärung, es gibt leichte Abweichungen wenn sich der Kurs lange seitwärts entwickelt, da immer nur die prozentuale Entwicklung gehebelt wird.
Beispiel: Steigt Apple von $100 auf $105, dann ist der Index +5% gestiegen und mein Zertifikat auf $85 (-15%) gesunken. Sinkt Apple am Tag danach wieder auf $100 (-4,8%), dann steigt mein Zertifikat nur auf $97,24 (+14,4%). Wer mehr wissen möchte, der googelt Tracker Zertifikat.
Das ist alles kein Investment, sondern Spekulation aber wenn man es nicht übertreibt, ist das auch mal erlaubt.

Facebook

Ich denke zu Facebook muss ich nichts weiter erklären. Jeder kennt es und fast jeder ist Mitglied. Nun ist es eine Plattform, die keine Gebühren o.ä. vom Nutzer verlangt (wäre auch das Aus), sondern durch Werbung ihr Geld verdient. Diese muss aber relativ dezent sein, da sonst die Nutzer unzufrieden werden. Aus meiner Sicht ist Facebook eine tolle Sache aber ob damit gut Geld verdient werden kann, das bezweifel ich, zumindest im Verhältnis zum Börsenwert.

Schaue wir uns mal die Finanzdaten für die ersten sechs Monate 2014 an.
Die GuV / income statement sieht wie folgt aus:
Umsatz $5,5 Mrd. ($3,2 Mrd. in 2013)
Kosten -$3 Mrd.
Steuern -$1 Mrd.
Ertrag damit $1,5 Mrd. oder $0,55 pro Aktie. ($0,5 Mrd. oder $0,22 in 2013)

Die Bilanz ist relativ überschaubar:
Umlaufvermögen $16 Mrd.
Anlagevermögen $5 Mrd.
Fremdkapital $2 Mrd.
Eigenkapital $19 Mrd.

Das war etwas kurz aber mehr gibt es nicht zu sagen. Halten wir mal fest, $1,5 Mrd. Gewinn im 1.HJ und $19 Mrd. Eigenkapital. Auf das Jahr gerechnet werden es wohl so $3-4 Mrd. Gewinn werden.
Natürlich - Umsatz und Gewinn verdoppeln sich quasi jedes Jahr aber wie lange geht das noch so weiter? Der Gewinn sieht wie folgt aus:
2009: $0,2 Mrd.
2010: $0,6 Mrd.
2011: $1 Mrd.
2012: $0 Mrd. (kein Schreibfehler)
2013: $1,5 Mrd.

Die aktuellen Kennzahlen sehen wie folgt aus:
KGV 2013: 88
KBV (10.09.2014): 11

Um bei einem aktuellen Börsenwert von $200 Mrd. ($77 pro Aktie) auf ein akzeptables KGV von 10 zu kommen, müsste Facebook pro Jahr $20 Mrd. Gewinn machen. Also ca. das 13-Fache des letzten Jahres. Facebook wächst zwar, aber lange nicht mehr so stark wie die letzten Jahre.
Falls sich jemand erinnert, BP kostet ca. $140 Mrd. und hat letztes Jahr $23 Mrd. Gewinn gemacht.

Natürlich kann ich mich irren und Facebook generiert noch enorme Mehreinnahmen die nächsten Jahre aber ich glaube das nicht. Facebook hat eine tolle Entwicklung genommen und spielt eine große Rolle in den Medien aber von der Aktie kann ich nur abraten. Sie bietet keinerlei Schutz durch Eigenkapital oder Sachwerte. Im Kurs ist zu 90% das kommende -erhoffte- Wachstum eingepreist.
Auch hier gilt, alles Spekulation, auch die Finanzprodukte dazu.

Apple und Facebook sehe ich beide als überbewertet an, Facebook noch weit mehr als Apple. Mal sehen ob und wann eine Korrektur eintritt, ich bleibe dran. :)

Viel Erfolg beim Investieren, nobody.

Sonntag, 7. September 2014

Apple vs. BP - iPhone gegen Tankstelle

Nach dem für viele Leser wohl eher uninteressanten Artikel über die beiden Nebenwerte im letzten Beitrag, gibt es jetzt etwas mit dem wohl mehr Lesen etwas anfangen können. Ich möchte zwei Blue Chips analysieren und direkt vergleichen - Apple und BP. Wie ich zu dieser Auswahl komme? Apple weil mich die positive Aktienkursentwicklung der letzten Jahre interessiert. Und BP, da ich schon Aktien habe und nun überlege nachzukaufen.

Ich möchte beide Unternehmen direkt vergleichen, um ein wenig darzustellen, was ich unter Value Investing verstehe. Wichtig sind eine solide Finanzbasis und gesunde Strukturen, sowie zukünftige Ertragskraft. Mit diesen Kriterien mache ich mir ein Bild vom Unternehmen. Ob es dann eine Investition wert ist, dass hängt natürlich am Ende vom Preis ab. Warren Buffet bringt es wie immer auf den Punkt: "Price is what you pay, value is what you get".

Finanzdaten beider Unternehmen

Ich habe zu beiden Unternehmen ein paar Finanzdaten zusammen getragen. Es wird deutlich, dass BP solide Umsatz- und Gewinnzahlen hat, während Apple vom starken Wachstum der letzten Jahre profitiert. Aus $6 Mrd. Gewinn in 2009 sind bei Apple $37 Mrd. in 2013 geworden. BP hingegen konnte im selben Zeitraum den Gewinn von $17 Mrd. auf $23 Mrd. steigern.
Apple hat eine etwas bessere Eigenkapitalquote als BP aber beide bewegen sich um die 50%. Mit dem was ich unter Value Investing verstehe, ist BP das attraktivere Unternehmen. Eine stetige Dividende, die bei ca. 5% pro Jahr liegt und eine Bewertung fast zum Eigenkapital (KBV). Apple hingegen ist 5x so teuer wie das Eigenkapital und macht pro Dollar Börsenwert weniger Gewinn (KGV) als BP.

Kennzahlen von Apple und BP
Kennzahlen in Mrd. US-$















Historische Kennzahlen von Apple und BP
Historische Kennzahlen in Mrd. US-$

























Geschäftsmodell von Apple

Die Finanzdaten bilden die Basis jeder Analyse und sind fundamental für die Bewertung eines Unternehmens. Von Prognosen oder Schätzungen halte ich nicht viel. Was die Zukunft bringt kann niemand wissen, daher ist die Vergangenheit die einzig verlässliche Quelle um sich eine Meinung zu bilden.
Damit ist es aber nicht getan. Um Tiefer einzusteigen muss man das Geschäftsmodell der Unternehmen verstehen. Dazu bieten sich die Geschäftsberichte an. Dort sind alle wichtigen Zusatzinformationen aufbereitet. Man muss sich nur die Arbeit machen sie zu suchen. 

Apple machte 2013 knapp 50% des Umsatzes mit dem iPhone und 10% mit Software. Außer iPod und iMac konnten seit 2010 die Umsätze der Produkte stetig gesteigert werden. 

Apple Verkaufszahlen nach Produkt aus 2013
Verkäufe nach Region und Produkt von Apple; Quelle: SEC 10-K Report 


























Der Marktanteil des iPhone ist im Q2 2014 auf 12% gesunken. Der Marktführer bei den Herstellern ist Samsung mit 25%. Android ist bei den Betriebsystemen dominanter Marktführer (über 80%). Das Problem bei Apple sehe ich darin, dass sie ausschließlich Hardware und Software aus dem eigenen Haus nutzen. Selbst wenn Samsung seinen ersten Platz bei den Herstellern abgeben sollte, warten Newcomer wie Huawei darauf diesen Platz einzunehmen. Natürlich hat Apple ein Alleinstellungsmerkmal durch die Kombination von Hardware und Software aber die Endkunden scheinen das nicht mehr so stark wie früher zu honorieren. 

Smartphone OS Marktanteile
OS Marktanteile bei Smartphones


















Apple kann nur Zukunftsfähig sein, wenn sie neue Produkte generieren, die ähnliche Innovationen wie das erste iPhone sind. Nach dem Ableben von Steves Jobs habe ich daran aber meine Zweifel. Er war ein Visionär, aktuell habe ich das Gefühl Apple wird nur noch verwaltet und das rechtfertigt, meiner Meinung nach, den Marktwert von fast $600 Mrd. nicht.

Das war natürlich nur ein sehr kleiner Abriss des Geschäftsmodells von Apple aber er reicht mir. Tiefer einsteigen möchte ich an dieser Stelle nicht. Man sollte aufpassen, sich nicht zu sehr in Details zu verlieben und den Blick für das große Ganze zu verlieren. So zumindest meine Meinung (auch wenn man hier tiefer einsteigen sollte, wenn man investieren möchte).

Geschäftsmodell von BP

Nun zu BP. Das Unternehmen mit Sitz in London deckt die komplette Wertschöpfungskette von der Exploration bis zum Verkauf der Produkte an den Endkunden an. Die Produkte sind Erdgas und Erdöl sowie die Endprodukte Benzin, Diesel, Schmieröl, Petrochemie usw. In Deutschland gibt es keine BP Tankstellen mehr, dafür aber ARAL, die zu BP gehören. Durch eine komplette Wertschöpfung, ist die Recherche bei BP aufwändiger als bei Apple. Zudem finde ich den BP Jahresbericht 2013 nicht sehr übersichtlich, trotzdem habe ich mich durch die rund 250 Seiten gequält (Effektiv waren es 50).
Die drei Hauptgeschäftsbereiche von BP sind Upstream, Downstream und Rosneft.

Upstream umfasst die Exploration, Förderung, Lagerung und Verarbeitung von Öl und Gas. Die Reserven haben eine Reichweite von ca. 14 bis 18 Jahren, auf Basis der Produktionsmengen von 2013.

BP Produktion und Reserven 2013
BP Produktion 2013 und Reserven von Öl und Gas






Im Geschäftsbereich Downstream geht es um die Produkte, die an die Endkunden verkauft werden. Das sind Brennstoffe wie Diesel, Benzin, Flugzeugbenzin und LPG-Gas. Weiterhin Schmierstoffe (Castrol) und Petrochemie-Produkte. $80 Mrd. Umsatz kommen aus dem Verkauf von Rohöl und $260 Mrd. aus dem Verkauf von raffinierten Produkten. BP besitzt 14 Raffinerien oder ist an ihnen beteiligt. 

Der dritte Geschäftsbereich ist eine Beteiligung von 20% an dem russischen Öl- und Gaskonzern Rosneft. BP hat erst 2013 die Anteile für den Verkauf von TNK-BP an Rosneft bekommen. Rosneft gehört zu rund 70% dem russischen Staat und machte 2013 einen Umsatz von 95 Mrd. €. Der Geschäftsführer war vorher unter Putin in der Präsidialadministration tätig. BP erhofft sich durch die Beteiligung, Geschäfte in Russland oder direkt mit Rosneft und will von steigenden Aktienkursen und den ausgeschütteten Dividenden profitieren. 2013 hat BP ca. $450 Mio. an Dividenden von Rosneft erhalten, 2014 waren es $690 Mio. Der Anteil von BP spiegelt Reserven in Höhe von 5 Mrd. barrels Öl und 9 Bio. cubic foot Erdgas wieder. Rosneft ist an 23 Raffinerien beteiligt, darunter vier in Deutschland. 

Nun zu einem für BP unangenehmen Thema, dem "Gulf of Mexico oil spill" von 2010. Damals liefen rund 800 Mio. Liter Öl in den Golf von Mexiko. BP wurde erst im September 2014 von einem US-Gericht für "grob fahrlässiges Verhalten" auf Basis des "clean water act" verurteilt. BP will gegen das Urteil vorgehen. 2012 bereits hatte sich BP mit Privatklägern auf Zahlungen von ca. $8 Mrd. geeinigt. Insgesamt wurden bisher ca. $40 Mrd. gezahlt oder zurück gelegt. Nach dem neuen Urteil könnte die Summe um bis zu $18 Mrd. ansteigen.

Im Vergleich mit der Konkurrenz (Exxon, Total, Repsol, Chevron) hat sich BP an der Börse in den letzten fünf Jahren am schlechtesten entwickelt. Trotzdem hatte BP 2013 mit 6,5 mit Abstand das beste KGV (Konkurrenz über 10) und mit 1,1 auch ein gutes KBV.

Fazit

Beide Unternehmen haben ihre Stärken und Schwächen. Apple hat eine enorme Entwicklung vollzogen und 2013 mit $37 Mrd. Gewinn gezeigt, dass sie viel Geld verdienen können. Fünf Jahre vorher waren es noch $6 Mrd. Apple lebt vom Wachstum. BP hingegen wächst nur noch langsam, hat dafür aber eine lange Erfolgsgeschichte vorzuweisen. Das ist wohl auch der Grund, warum Apple im Verhältnis zu BP so viel teurer an der Börse gehandelt wird. In der Apple Aktie stecken viele Vorschusslorbeeren, die in den nächsten Jahren erst noch eingelöst werden müssen.
Apple ist rund 4x so viel Wert wie BP. 4x BP hätte 2013 einen Gewinn von $92 Mrd. und eine Dividende von $20 Mrd. bedeutet. 
Ich finde BP in diesem Vergleich attraktiver und werde wohl meinen Bestand an Aktien erhöhen. Zwar sind die Zahlen und das Wachstum von Apple beeindruckend aber $600 Mrd. Börsenwert halte ich aktuell für zu viel. Wenn Apple weiter wachsen kann und irgendwann $50 Mrd. oder $60 Mrd. pro Jahr Gewinn macht, und das über Jahre, dann sind sie den heutige Kurs wert. Ich bin mir da aber zu unsicher. BP hingegen ist ein solides Unternehmen mit guten Kennzahlen und einer attraktiven Dividende. Hier habe ich wenig Zweifel, dass sich das Unternehmen und die Aktie in den nächsten 10 Jahren positiv entwickeln.

Schlussgedanken

Wenn ich investiere, dann denke ich in einem Zeitraum von 5-10 Jahren. Gehen wir einmal von 10 Jahren aus. Angenommen ich habe 1.000€ und möchte diese gegen Inflation, Währungsreformen oder Finanzkrisen absichern. Zudem möchte ich es für die Altersvorsorge anlegen, oder mir als Option u.a. davon in 5-10 Jahren ein Haus kaufen. Wofür ich es genau benötigen werde, ist also erstmal unklar. Sicher ist nur, ich will das Geld schützen und möglichst vermehren. Was kann ich tun? Die folgenden Angaben sind ohne Kapitalertragsteuer gerechnet.

1. Konto

Das Geld auf dem Girokonto oder Tagesgeld liegen lassen. Gehen wir mal von einem Zinssatz von 3% p.a. aus (aktuell nur 1,4% aber die Zinsen steigen ja vielleicht wieder). Dann hat man nach 10 Jahren 1.344€ auf dem Konto. Für Festgeld gibt es aktuell ca. 2,5% Zinsen für 10 Jahre. Das heißt aber, man kommt 10 Jahre nicht an sein Geld. Da wird es dann nichts mit dem spontanen Hauskauf.

2. Staatsanleihen

Oder man entscheidet sich für Staatsanleihen. Die Geschichte ist kurz. Aktuell gibt es für Deutsche 10-Jahres-Anleihen 0,9%, ergibt 1.094€. Oder vielleicht Italien, mit aktuell 2,3%? Lieber nicht denke ich. Denn auch hier ist das Geld für 10 Jahre gebunden.

3. Aktien

Ihr ahnt es, jetzt kommt mein Favorit: Aktien. Wenn ich heute BP Aktien kaufen wöllte, dann würde ich aktuell für 1.000€ ca. 165 Aktien (ca. 6€/Aktie) bekommen.

Ob der Kurs jetzt bei 4€ oder 10€ liegt, BP hat weiterhin $133 Mrd. Eigenkapital und wird auch weiterhin Öl fordern, Erdgas verkaufen und Gewinne machen. Der Kurs entscheidet über die Attraktivität eines Kaufs, nicht über die Bewertung des Unternehmens. Würde ich für 10€ kaufen? Nein! Für 4€? Ja! Und bei aktuell 6€? Ja.
Für mich liegt der innere Wert von BP über den 6€ pro Aktie, daher ist für mich ein Kauf attraktiv. Ziel bei einer Analyse ist es nicht, den genauen inneren Wert zu bestimmen, sondern eine Art Wertbereich. Liegt der Börsenwert des Unternehmens unterhalb der Bewertung, dann kann es ein attraktives Investment sein. Das war jetzt mal ein kleiner Abstecher zum Thema Börsenkurse und ihre Bedeutung aber weiter gehts mit der dritten Option und den 1.000€.....

Die 165 Aktien spiegeln -anteilig- ein Unternehmen wieder, dass folgende Eigenschaften besitzt: 1.450€ an Anlagevermögen (Produktionsstätten, Grundstücke, Maschinen, ...), dazu 750€ Umlaufvermögen (Cash, Forderungen, ...). Dem gegenüber stehen 1.250€ Schulden und 950€ Eigenkapital. Dazu kommen jedes Jahr 135€ Gewinn (Durchschnitt der letzten 5 Jahre), die das Unternehmen erwirtschaftet . Das macht nach 10 Jahren 1.350€ Gewinn. Als direkte Auszahlung gibt es jedes Jahr noch 50€ Dividende (5%) von BP. Das allein sind 500€ über 10 Jahre. In der Rechnung gehe ich von keiner Steigerung von Gewinn und Dividende aus, was eine sehr konservative Annahme ist. Wenn sich die positive Entwicklung der letzten Jahre fortsetzt, dann habe ich keine Zweifel, dass auch der Aktienkurs nach 10 Jahren deutlich über dem heutigen liegt.

In Variante drei, also Aktien (am Beispiel BP) sehe ich folgende Vorteile: Schutz gegen Inflation, Währungsreformen und Pleite der eigenen Bank. Zusätzlich eine jährliche Dividende, potentielle Kurssteigerungen und Beteiligung an einem erfolgreichen Unternehmen.

Kontra

Sicher sagen jetzt einige, Moment, bei Aktien kann ich ja "alles verlieren".
Das ist richtig aber wie hoch sind die Risiken wirklich? Und als Gegenfrage: Wer wird eher insolvent, die eigene Bank (am besten noch im Ausland) oder BP? Was denkt ihr? Und wenn eure Bank pleite ist, dann hilft ja bis 100.000€ Frau Merkel aber darauf würde ich mich im Zweifel nicht verlassen wollen.
Es stimmt, Aktien unterliegen Kursschwankungen aber umso länger der betrachtete Zeitraum ist, umso eher nähert sich der Kurs dem inneren Wert an. Zudem sind für einen Investor Kursschwankungen nichts negatives, im Gegenteil. Wenn ich von dem Investment überzeugt bin, dann kaufe ich bei fallenden Kursen nach. Wenn sie stark steigen, und ich den inneren Unternehmenswert weit unterhalb des Kurses sehe, dann kann ich mit gutem Gewinn verkaufen (wenn ich das möchte).

Ich habe übrigens einen kleine Trick, um herauszufinden ob ich investiere oder spekuliere. Wenn ich die Frage "Würdest du bei fallenden Kursen nachkaufen?" mit einem Grinsen und "Ja" beantworte, dann ist es ein Investment. Wenn ich unsicher bin und "Nein" antworte, dann ist es eine Spekulation, bei der man nur auf steigende Kurse "hofft".




Ich hoffe euch hat mein kompletter Artikel gefallen. Manchmal etwas durcheinander aber ich möchte ja hier meine Meinungen und Gedanken teilen und keine wissenschaftliche Arbeit verfassen. Wenn ihr auch etwas zu sagen habt, und ich weiß es gibt ein paar wenige Leser da draußen, dann hinterlasst einfach einen Kommentar, ich würde mich freuen. Ihr könnt auch seit diesem Artikel eine Artikel-Benotung abgeben, sozusagen als kurzes Feedback.


Viel Erfolg beim Investieren, nobody.