Sonntag, 7. September 2014

Apple vs. BP - iPhone gegen Tankstelle

Nach dem für viele Leser wohl eher uninteressanten Artikel über die beiden Nebenwerte im letzten Beitrag, gibt es jetzt etwas mit dem wohl mehr Lesen etwas anfangen können. Ich möchte zwei Blue Chips analysieren und direkt vergleichen - Apple und BP. Wie ich zu dieser Auswahl komme? Apple weil mich die positive Aktienkursentwicklung der letzten Jahre interessiert. Und BP, da ich schon Aktien habe und nun überlege nachzukaufen.

Ich möchte beide Unternehmen direkt vergleichen, um ein wenig darzustellen, was ich unter Value Investing verstehe. Wichtig sind eine solide Finanzbasis und gesunde Strukturen, sowie zukünftige Ertragskraft. Mit diesen Kriterien mache ich mir ein Bild vom Unternehmen. Ob es dann eine Investition wert ist, dass hängt natürlich am Ende vom Preis ab. Warren Buffet bringt es wie immer auf den Punkt: "Price is what you pay, value is what you get".

Finanzdaten beider Unternehmen

Ich habe zu beiden Unternehmen ein paar Finanzdaten zusammen getragen. Es wird deutlich, dass BP solide Umsatz- und Gewinnzahlen hat, während Apple vom starken Wachstum der letzten Jahre profitiert. Aus $6 Mrd. Gewinn in 2009 sind bei Apple $37 Mrd. in 2013 geworden. BP hingegen konnte im selben Zeitraum den Gewinn von $17 Mrd. auf $23 Mrd. steigern.
Apple hat eine etwas bessere Eigenkapitalquote als BP aber beide bewegen sich um die 50%. Mit dem was ich unter Value Investing verstehe, ist BP das attraktivere Unternehmen. Eine stetige Dividende, die bei ca. 5% pro Jahr liegt und eine Bewertung fast zum Eigenkapital (KBV). Apple hingegen ist 5x so teuer wie das Eigenkapital und macht pro Dollar Börsenwert weniger Gewinn (KGV) als BP.

Kennzahlen von Apple und BP
Kennzahlen in Mrd. US-$















Historische Kennzahlen von Apple und BP
Historische Kennzahlen in Mrd. US-$

























Geschäftsmodell von Apple

Die Finanzdaten bilden die Basis jeder Analyse und sind fundamental für die Bewertung eines Unternehmens. Von Prognosen oder Schätzungen halte ich nicht viel. Was die Zukunft bringt kann niemand wissen, daher ist die Vergangenheit die einzig verlässliche Quelle um sich eine Meinung zu bilden.
Damit ist es aber nicht getan. Um Tiefer einzusteigen muss man das Geschäftsmodell der Unternehmen verstehen. Dazu bieten sich die Geschäftsberichte an. Dort sind alle wichtigen Zusatzinformationen aufbereitet. Man muss sich nur die Arbeit machen sie zu suchen. 

Apple machte 2013 knapp 50% des Umsatzes mit dem iPhone und 10% mit Software. Außer iPod und iMac konnten seit 2010 die Umsätze der Produkte stetig gesteigert werden. 

Apple Verkaufszahlen nach Produkt aus 2013
Verkäufe nach Region und Produkt von Apple; Quelle: SEC 10-K Report 


























Der Marktanteil des iPhone ist im Q2 2014 auf 12% gesunken. Der Marktführer bei den Herstellern ist Samsung mit 25%. Android ist bei den Betriebsystemen dominanter Marktführer (über 80%). Das Problem bei Apple sehe ich darin, dass sie ausschließlich Hardware und Software aus dem eigenen Haus nutzen. Selbst wenn Samsung seinen ersten Platz bei den Herstellern abgeben sollte, warten Newcomer wie Huawei darauf diesen Platz einzunehmen. Natürlich hat Apple ein Alleinstellungsmerkmal durch die Kombination von Hardware und Software aber die Endkunden scheinen das nicht mehr so stark wie früher zu honorieren. 

Smartphone OS Marktanteile
OS Marktanteile bei Smartphones


















Apple kann nur Zukunftsfähig sein, wenn sie neue Produkte generieren, die ähnliche Innovationen wie das erste iPhone sind. Nach dem Ableben von Steves Jobs habe ich daran aber meine Zweifel. Er war ein Visionär, aktuell habe ich das Gefühl Apple wird nur noch verwaltet und das rechtfertigt, meiner Meinung nach, den Marktwert von fast $600 Mrd. nicht.

Das war natürlich nur ein sehr kleiner Abriss des Geschäftsmodells von Apple aber er reicht mir. Tiefer einsteigen möchte ich an dieser Stelle nicht. Man sollte aufpassen, sich nicht zu sehr in Details zu verlieben und den Blick für das große Ganze zu verlieren. So zumindest meine Meinung (auch wenn man hier tiefer einsteigen sollte, wenn man investieren möchte).

Geschäftsmodell von BP

Nun zu BP. Das Unternehmen mit Sitz in London deckt die komplette Wertschöpfungskette von der Exploration bis zum Verkauf der Produkte an den Endkunden an. Die Produkte sind Erdgas und Erdöl sowie die Endprodukte Benzin, Diesel, Schmieröl, Petrochemie usw. In Deutschland gibt es keine BP Tankstellen mehr, dafür aber ARAL, die zu BP gehören. Durch eine komplette Wertschöpfung, ist die Recherche bei BP aufwändiger als bei Apple. Zudem finde ich den BP Jahresbericht 2013 nicht sehr übersichtlich, trotzdem habe ich mich durch die rund 250 Seiten gequält (Effektiv waren es 50).
Die drei Hauptgeschäftsbereiche von BP sind Upstream, Downstream und Rosneft.

Upstream umfasst die Exploration, Förderung, Lagerung und Verarbeitung von Öl und Gas. Die Reserven haben eine Reichweite von ca. 14 bis 18 Jahren, auf Basis der Produktionsmengen von 2013.

BP Produktion und Reserven 2013
BP Produktion 2013 und Reserven von Öl und Gas






Im Geschäftsbereich Downstream geht es um die Produkte, die an die Endkunden verkauft werden. Das sind Brennstoffe wie Diesel, Benzin, Flugzeugbenzin und LPG-Gas. Weiterhin Schmierstoffe (Castrol) und Petrochemie-Produkte. $80 Mrd. Umsatz kommen aus dem Verkauf von Rohöl und $260 Mrd. aus dem Verkauf von raffinierten Produkten. BP besitzt 14 Raffinerien oder ist an ihnen beteiligt. 

Der dritte Geschäftsbereich ist eine Beteiligung von 20% an dem russischen Öl- und Gaskonzern Rosneft. BP hat erst 2013 die Anteile für den Verkauf von TNK-BP an Rosneft bekommen. Rosneft gehört zu rund 70% dem russischen Staat und machte 2013 einen Umsatz von 95 Mrd. €. Der Geschäftsführer war vorher unter Putin in der Präsidialadministration tätig. BP erhofft sich durch die Beteiligung, Geschäfte in Russland oder direkt mit Rosneft und will von steigenden Aktienkursen und den ausgeschütteten Dividenden profitieren. 2013 hat BP ca. $450 Mio. an Dividenden von Rosneft erhalten, 2014 waren es $690 Mio. Der Anteil von BP spiegelt Reserven in Höhe von 5 Mrd. barrels Öl und 9 Bio. cubic foot Erdgas wieder. Rosneft ist an 23 Raffinerien beteiligt, darunter vier in Deutschland. 

Nun zu einem für BP unangenehmen Thema, dem "Gulf of Mexico oil spill" von 2010. Damals liefen rund 800 Mio. Liter Öl in den Golf von Mexiko. BP wurde erst im September 2014 von einem US-Gericht für "grob fahrlässiges Verhalten" auf Basis des "clean water act" verurteilt. BP will gegen das Urteil vorgehen. 2012 bereits hatte sich BP mit Privatklägern auf Zahlungen von ca. $8 Mrd. geeinigt. Insgesamt wurden bisher ca. $40 Mrd. gezahlt oder zurück gelegt. Nach dem neuen Urteil könnte die Summe um bis zu $18 Mrd. ansteigen.

Im Vergleich mit der Konkurrenz (Exxon, Total, Repsol, Chevron) hat sich BP an der Börse in den letzten fünf Jahren am schlechtesten entwickelt. Trotzdem hatte BP 2013 mit 6,5 mit Abstand das beste KGV (Konkurrenz über 10) und mit 1,1 auch ein gutes KBV.

Fazit

Beide Unternehmen haben ihre Stärken und Schwächen. Apple hat eine enorme Entwicklung vollzogen und 2013 mit $37 Mrd. Gewinn gezeigt, dass sie viel Geld verdienen können. Fünf Jahre vorher waren es noch $6 Mrd. Apple lebt vom Wachstum. BP hingegen wächst nur noch langsam, hat dafür aber eine lange Erfolgsgeschichte vorzuweisen. Das ist wohl auch der Grund, warum Apple im Verhältnis zu BP so viel teurer an der Börse gehandelt wird. In der Apple Aktie stecken viele Vorschusslorbeeren, die in den nächsten Jahren erst noch eingelöst werden müssen.
Apple ist rund 4x so viel Wert wie BP. 4x BP hätte 2013 einen Gewinn von $92 Mrd. und eine Dividende von $20 Mrd. bedeutet. 
Ich finde BP in diesem Vergleich attraktiver und werde wohl meinen Bestand an Aktien erhöhen. Zwar sind die Zahlen und das Wachstum von Apple beeindruckend aber $600 Mrd. Börsenwert halte ich aktuell für zu viel. Wenn Apple weiter wachsen kann und irgendwann $50 Mrd. oder $60 Mrd. pro Jahr Gewinn macht, und das über Jahre, dann sind sie den heutige Kurs wert. Ich bin mir da aber zu unsicher. BP hingegen ist ein solides Unternehmen mit guten Kennzahlen und einer attraktiven Dividende. Hier habe ich wenig Zweifel, dass sich das Unternehmen und die Aktie in den nächsten 10 Jahren positiv entwickeln.

Schlussgedanken

Wenn ich investiere, dann denke ich in einem Zeitraum von 5-10 Jahren. Gehen wir einmal von 10 Jahren aus. Angenommen ich habe 1.000€ und möchte diese gegen Inflation, Währungsreformen oder Finanzkrisen absichern. Zudem möchte ich es für die Altersvorsorge anlegen, oder mir als Option u.a. davon in 5-10 Jahren ein Haus kaufen. Wofür ich es genau benötigen werde, ist also erstmal unklar. Sicher ist nur, ich will das Geld schützen und möglichst vermehren. Was kann ich tun? Die folgenden Angaben sind ohne Kapitalertragsteuer gerechnet.

1. Konto

Das Geld auf dem Girokonto oder Tagesgeld liegen lassen. Gehen wir mal von einem Zinssatz von 3% p.a. aus (aktuell nur 1,4% aber die Zinsen steigen ja vielleicht wieder). Dann hat man nach 10 Jahren 1.344€ auf dem Konto. Für Festgeld gibt es aktuell ca. 2,5% Zinsen für 10 Jahre. Das heißt aber, man kommt 10 Jahre nicht an sein Geld. Da wird es dann nichts mit dem spontanen Hauskauf.

2. Staatsanleihen

Oder man entscheidet sich für Staatsanleihen. Die Geschichte ist kurz. Aktuell gibt es für Deutsche 10-Jahres-Anleihen 0,9%, ergibt 1.094€. Oder vielleicht Italien, mit aktuell 2,3%? Lieber nicht denke ich. Denn auch hier ist das Geld für 10 Jahre gebunden.

3. Aktien

Ihr ahnt es, jetzt kommt mein Favorit: Aktien. Wenn ich heute BP Aktien kaufen wöllte, dann würde ich aktuell für 1.000€ ca. 165 Aktien (ca. 6€/Aktie) bekommen.

Ob der Kurs jetzt bei 4€ oder 10€ liegt, BP hat weiterhin $133 Mrd. Eigenkapital und wird auch weiterhin Öl fordern, Erdgas verkaufen und Gewinne machen. Der Kurs entscheidet über die Attraktivität eines Kaufs, nicht über die Bewertung des Unternehmens. Würde ich für 10€ kaufen? Nein! Für 4€? Ja! Und bei aktuell 6€? Ja.
Für mich liegt der innere Wert von BP über den 6€ pro Aktie, daher ist für mich ein Kauf attraktiv. Ziel bei einer Analyse ist es nicht, den genauen inneren Wert zu bestimmen, sondern eine Art Wertbereich. Liegt der Börsenwert des Unternehmens unterhalb der Bewertung, dann kann es ein attraktives Investment sein. Das war jetzt mal ein kleiner Abstecher zum Thema Börsenkurse und ihre Bedeutung aber weiter gehts mit der dritten Option und den 1.000€.....

Die 165 Aktien spiegeln -anteilig- ein Unternehmen wieder, dass folgende Eigenschaften besitzt: 1.450€ an Anlagevermögen (Produktionsstätten, Grundstücke, Maschinen, ...), dazu 750€ Umlaufvermögen (Cash, Forderungen, ...). Dem gegenüber stehen 1.250€ Schulden und 950€ Eigenkapital. Dazu kommen jedes Jahr 135€ Gewinn (Durchschnitt der letzten 5 Jahre), die das Unternehmen erwirtschaftet . Das macht nach 10 Jahren 1.350€ Gewinn. Als direkte Auszahlung gibt es jedes Jahr noch 50€ Dividende (5%) von BP. Das allein sind 500€ über 10 Jahre. In der Rechnung gehe ich von keiner Steigerung von Gewinn und Dividende aus, was eine sehr konservative Annahme ist. Wenn sich die positive Entwicklung der letzten Jahre fortsetzt, dann habe ich keine Zweifel, dass auch der Aktienkurs nach 10 Jahren deutlich über dem heutigen liegt.

In Variante drei, also Aktien (am Beispiel BP) sehe ich folgende Vorteile: Schutz gegen Inflation, Währungsreformen und Pleite der eigenen Bank. Zusätzlich eine jährliche Dividende, potentielle Kurssteigerungen und Beteiligung an einem erfolgreichen Unternehmen.

Kontra

Sicher sagen jetzt einige, Moment, bei Aktien kann ich ja "alles verlieren".
Das ist richtig aber wie hoch sind die Risiken wirklich? Und als Gegenfrage: Wer wird eher insolvent, die eigene Bank (am besten noch im Ausland) oder BP? Was denkt ihr? Und wenn eure Bank pleite ist, dann hilft ja bis 100.000€ Frau Merkel aber darauf würde ich mich im Zweifel nicht verlassen wollen.
Es stimmt, Aktien unterliegen Kursschwankungen aber umso länger der betrachtete Zeitraum ist, umso eher nähert sich der Kurs dem inneren Wert an. Zudem sind für einen Investor Kursschwankungen nichts negatives, im Gegenteil. Wenn ich von dem Investment überzeugt bin, dann kaufe ich bei fallenden Kursen nach. Wenn sie stark steigen, und ich den inneren Unternehmenswert weit unterhalb des Kurses sehe, dann kann ich mit gutem Gewinn verkaufen (wenn ich das möchte).

Ich habe übrigens einen kleine Trick, um herauszufinden ob ich investiere oder spekuliere. Wenn ich die Frage "Würdest du bei fallenden Kursen nachkaufen?" mit einem Grinsen und "Ja" beantworte, dann ist es ein Investment. Wenn ich unsicher bin und "Nein" antworte, dann ist es eine Spekulation, bei der man nur auf steigende Kurse "hofft".




Ich hoffe euch hat mein kompletter Artikel gefallen. Manchmal etwas durcheinander aber ich möchte ja hier meine Meinungen und Gedanken teilen und keine wissenschaftliche Arbeit verfassen. Wenn ihr auch etwas zu sagen habt, und ich weiß es gibt ein paar wenige Leser da draußen, dann hinterlasst einfach einen Kommentar, ich würde mich freuen. Ihr könnt auch seit diesem Artikel eine Artikel-Benotung abgeben, sozusagen als kurzes Feedback.


Viel Erfolg beim Investieren, nobody.

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