Sonntag, 19. Oktober 2014

Die Suche und Recherche interessanter Aktien

Wie findet man interessante Aktien und wo findet man schnell die besten Informationen zu der Aktie und dem Unternehmen?
Bei der Suche gibt es verschiedene Wege. Als Erstes sollte man im Alltag aufmerksam sein. Interessante Unternehmen kann man auf diese Weise finden. Zwar nicht häufig aber es geht. Erzählt beispielsweise jemand aus der Branche in der er arbeitet, lohnt es sich unter Umständen zuzuhören. Oder findet man selbst ein Produkt gut? Es gibt ein Unternehmen was es verkauft und vielleicht steckt ja eine attraktive AG dahinter.

Neben dem Aufmerksam sein kann auch gezielt gesucht werden. Dazu gibt es viele Webseiten, die einem die Arbeit stark erleichtern. Es lassen sich tausende Aktien nach diversen Kriterien filtern.

Doch Moment. "Interessante Aktien"? Was heißt das denn genau?
Es bedeutet, dass eine Aktie auf den ersten Blick so attraktiv erscheint, dass sich eine tiefere Analyse lohnt. Der erste Blick beschränkt sich meist auf eine kurze Betrachtung der Eigenkapitalquote, des Working Capital, des Gewinns der letzten Jahre, des KBV, des Cash Flow und natürlich der Marktkapitalisierung. Das Ganze dauert umso länger, je positiver die Daten sind. Bei Facebook z.B. sehe ich nach einer Minte, dass es für mich kein attraktives Investment ist. Da genügt ein Blick auf das KBV von 88 und ich bin raus.

Wenn ein Unternehmen nach dem ersten Blick immer noch interessant erscheint, dann lohnt sich eine tiefere Analyse. Diese kann mehrere Tage oder Woche dauern. Nicht das so viel Zeit benötigt wird aber die vielen Informationen müssen erst verdaut werden. Zudem hat man ja nicht jeden Tag Zeit oder Lust sich damit zu beschäftigen.

Die Suche nach interessanten Aktien

Für die Suche bieten sich sogenannte Stock Screener an. Dort kann man verschiedenste Filter setzen und damit nach Aktien suchen, die den eigenen Kriterien entsprechen. Es gibt viele verschiedene Webseiten, ich möchte eine davon genauer vorstellen.

Financial Times Stock Screener

Der FT Stock Screener bietet relativ viele Filter und ich finde ihn recht übersichtlich.
Es können mehrere Regionen und einzelne Sektoren/Industrien ausgewählt werden. Ich nehme als Regionen meist Nordamerika und Europa. Asien würde ich ausschließen, sonst habt ihr viele Unternehmen aus Hongkong und China als Treffer. Diese Länder sind für mich aktuell nicht interessant, da zu viele Unsicherheiten bestehen.

Financial Times Stock Screener - Region und Industrie
Region und Sektor im FT Stock Screener auswählen

Jetzt gilt es die Kriterien für die Suche festzulegen. Die Auswahl ist nicht riesig aber ausreichend. Ich empfehle nicht zu viele Kriterien zu nehmen, da es sonst unübersichtlich wird. Lieber klare und wiederholbare Einstellungen. Als Beispiel wähle ich ein KBV kleiner 0,7, ein Return-on-Equity größer 15% und eine Fremdkapitalquote kleiner 25%. Andere Kriterien sind selbstverständlich auch möglich, das ist nur ein Beispiel.

Financial Times Stock Screener - Kriterien
Kriterien im FT Stock Screener auswählen

Es ergeben sich 72 Treffer, die man sich nun ansehen kann. Ich sortiere die Ergebnisse absteigend nach Marktkapitalisierung und gehe sie dann einzeln durch.

Unter "View and Edit Criteria" könnt ihr die Einstellungen ändern. In diesem Fall ist das nötig, da ich nur nach Marktkapitalisierung (Market Cap) sortieren kann, wenn ich das Kriterium auch hinzugefügt habe.

Nun schaue ich nach Region und Sektor in der Ergebnisliste. Russland, Türkei und ähnliche Länder sortiere ich meist gedanklich aus, da dort die Marktbedingungen recht undurchsichtig sind. Der Finanzsektor ist ebenfalls mit Vorsicht zu genießen.

Mein erster Treffer ist Gazprom. Wenn die einzelne Region, die Kennzahlen und der Sektor interessant erscheinen, kann man auf die Aktie klicken und sich einen ersten Überblick verschaffen. Dazu eignet sich der Reiter "Financials".

Financial Times Stock Screener - Treffer
Informationen zu Gazprom auf FT.com

Hier gibt es erste Informationen zu den Fundamentaldaten. Unter "Summary" ist die technische Entwicklung der Aktie zu sehen.

Seid ihr nach dem ersten Blick immer noch interessiert, dann kann es in die tiefere Analyse gehen.

Andere Screener

Der Finviz Screener ist ein weitere Aktienscreener. Die Einstellungsmöglichkeiten sind groß. Für die Recherche zu den Unternehmen eignet sich die Seite aber nicht, da müsst ihr dann auf die eigentlichen Recherche-Seiten ausweichen. Zudem kann nicht frei abgegrenzt werden, es gibt beispielsweise nur "KBV kleiner 1", kleiner 0,7 kann nicht selektiert werden.

Zacks Stock Screener bietet ebenfalls viele Möglichkeiten, hier kann auch wieder frei abgegrenzt werden. Die Bedienung finde ich allerdings nicht optimal.

Morningstar.com bietet einen sehr guten Premium Stock Screener. Die Mitgliedschaft kostet allerdings ca. $200 pro Jahr. Darin enthalten sind ebenfalls exklusive Analysen, Berichte, ein Portfolio-Manager uvm. Die $200/Jahr sind also keine Bauernfängerei, sondern dort sind wirklich wertvolle Informationen zusammengefasst. Bei der Recherche hilft die Premiummitgliedschaft ebenfalls, da zusätzliche Daten verfügbar und bereits aufbereitet sind. Mühsame Excel-Arbeit und lange Recherchen zu den Zahlen entfallen also.

Die anschließende Recherche 

Sind nun nach langer Suche und erster Selektion ein paar Aktien übrig geblieben, dann geht es zur intensiven Recherche. Dazu eignen sich verschiedene Webseiten. Empfehlen kann ich ariva.de und morningstar.com. Hier bietet Morningstar auch ohne Premium gute Funktionen. Die Fundamentaldaten sind nur für die letzten fünf statt zehn Jahre frei verfügbar, das ist trotzdem eine gute Sache.

Bei Ariva ist der Reiter "Fundamental" hilfreich. Dort findet man je nach Datenbasis einen Überlick von Umsatz und Gewinn der letzten Jahre, sowie Kennzahlen wie KBV, KGV, ROE, ROI, Eigenkapitalquote, Dividendenrendite, Änderung des Working Capital, usw. Wirklich sehr viele Informationen sind vorhanden. Bei kleineren Aktien sind jedoch nicht immer alle Infos verfügbar.

Ariva.de - Apple Übersicht
Kompaktübersicht von Umsatz und Gewinn auf ariva.de 

Wählt man den Zeitraum "... kompakt", dann sieht man diese Übersicht. In den einzelnen Zeiträumen (z.B. 2008 - 2013) sind dann die Detailinformationen zu finden.

Auf Morningstar kann dann noch mehr ins Detail gegangen werden. Bilanz, GuV und Cash Flow sind hier übersichtlich und historisch zu finden. Oben bei "Search" den Namen des Unternehmens eingeben, dann sollte es gefunden werden. Danach nochmal auf den Namen klicken und fertig. Teilweise funktioniert die Suche jedoch nicht richtig, dann hilft die Suche bei einer Suchmaschine nach dem Unternehmensname und dem Zusatz "Morningstar.com".

Morningstar Financials - Apple
Fundamentaldaten von morningstar.com

Neben den Fundamentaldaten ("Financials") gibt es diverse Kennzahlen, Insider Transaktionen, die Dividendenhistorie, eine Übersicht der SEC-Filings usw., usw. Es gibt wirklich alles was das Herz begehrt.

Es kann auch direkt über die SEC nach den Geschäfts- und Quartalsberichten gesucht werden. Das funktioniert allerdings nur bei in den USA gelisteten Aktien.
Ansonsten ist die letzte Stufe der Recherchen, die Geschäftsberichte der Unternehmen zu lesen. Der kürzeste Weg dahin ist den Unternehmensnamen bei einer Suchmaschine mit dem Zusatz "IR" zu suchen, das steht für Investor Relations.

Fazit

Das Internet erleichtert die Suche nach Aktien enorm. Warren Buffett hat damals noch dicke Bücher mit Bilanzen und Kennzahlen der Unternehmen des S&P 500 gewälzt, die Zeiten sind vorbei. Der Vorteil von heute darf nur nicht zum Nachteil werden. Mittlerweile gibt es fast zu viele Informationen. Der Value Investor muss genau wissen wonach er sucht, ansonsten ist er verloren.

Interessante Unternehmen sind jederzeit zu finden, nur hängt die Qualität und Anzahl doch stark vom Gesamtmarkt ab. Bei einer pessimistischen Stimmung und niedrigen Kursen findet man viel eher günstige Unternehmen als zu Hochzeiten. Egal wie die Lage auch ist, der Value Investor muss sich seinen Prinzipien und Kriterien treu bleiben. Wenn es nichts Interessantes zu einem KBV von unter 0,7 gibt, dann gibt es eben nichts und man versucht es später wieder. Keinesfalls sollte man aber sagen: "Na ok, ein KBV von 1 ist auch ok".

Ich persönlich präferiere Aktien bekannter Unternehmen, mit einer möglichst hohen Marktkapitalisierung. Dann bin ich bei der Region auch eher flexibel. Gazprom aus Russland ist so ein Beispiel. Unbekannte Unternehmen aus Russland dagegen interessieren mich weniger, da mir das Risiko und der Aufwand der Recherche zu hoch sind.
Anders ist das bei deutschen Unternehmen. Da interessiere ich mich auch für kleinere Unternehmen, da die Recherche doch leichter fällt.
Anders gesagt, je größer das Unternehmen, je eher bin ich bereit für mich "exotische" Regionen oder Branchen zu erwärmen.

Ich hoffe der Artikel war hilfreich und hat euch gefallen.

Viel Erfolg auf dem Weg zum Value Investor.

1 Kommentar:

  1. Die Internetseite ariva.de ist wirklich top und sehr gut geeignet, um sich in kurzer Zeit einen aussagekräftigen Überblick über potenzielle Investments zu verschaffen.

    Danke für diesen Hinweis!

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