Sonntag, 12. Oktober 2014

Grundsätze des Value Investing

Um langfristig Erfolg als Value Investor zu haben, sind feste und einfache Grundsätze unabdingbar. Ein Kontinuität im Handeln und in der Bewertung von Situationen sind fester Bestandteil des Value Investing.

Wie schon in anderen Beiträgen erwähnt, ist der Kern des Value Investing der "innere Wert" eines Unternehmens und die langfristigen Aussichten. Hippe Wachstumsunternehmen wie Facebook, Tesla oder die Unternehmen der Dotcom-Blase im Jahr 2000, fallen damit fast immer aus dem Raster des Value Investors.

Die Grundidee ist $1 für $0,50 zu kaufen. Wem dieses Prinzip nicht einleuchtet, der wird die Gedanken hinter dem Value Gedanken wohl nie verstehen können.

Was man als Value Investor sucht, sind Unternehmen mit wenig Schulden, einer hohen Ertragskraft und vor allem einer zu niedrigen Bewertung an der Börse. Zudem muss eine "margin of safety" vorhanden sein. Das bedeutet, die Börsenbewertung ist deutlich geringer als der innere Unternehmenswert. Dadurch entsteht eine gewisse Sicherheit vor Bewertungsfehlern oder unerwartet negativen Ereignissen. Daher kauft man den $1 auch für $0,50 und nicht für $0,95.

Die Prinzipien sind von mir zusammengetragen. An der ein oder anderen Stelle sieht es vielleicht jeder Value Investor ein wenig anders. Aber ich bin mir sicher Benjamin Graham und Warren Buffett würden den zehn Prinzipien so zustimmen.

1. Langfristiges Denken

Würde man mit ruhigem Gewissen einschlafen, wenn die Börse für fünf Jahre schließt? Würde man bei fallenden Kursen Aktien nachkaufen wollen? Wenn man diese beiden Fragen mit JA beantworten kann und zudem seine "Hausaufgaben" bei der Recherche gemacht hat, dann steht dem Kauf der Aktie nichts mehr im Wege. Ein langfristiges Denken ist wichtig, um nicht in die Spekulations-Falle zu laufen. Spekulieren ist nichts schlechtes, doch muss man erkennen wann man spekuliert und wann man investiert.

2. Unternehmerisches Denken

Ein Value Investor kauft nicht einfach ein paar Aktien und hofft das der Kurs steigt. Nein, er wird Eigentümer des Unternehmens. Auch wenn die eigenen Stimmrechte unbedeutend sind, man handelt beim Kauf immer so, als würde man das ganze Unternehmen kaufen. Das abstrahiert das Denken und führt zu mehr Klarheit bei Entscheidungen.

Als Value Investor denkt man nicht kurzfristig (Dividenden), sondern man denkt langfristig und im Interesse des Unternehmens. Von langfristigem Wachstum hat der Aktionär mehr, als von einer kurzzeitig hohen Dividende, die zudem versteuert werden muss.
Geht es dem Unternehmen gut, geht es auch den Eigentümern (Aktionären) gut. Von daher ist es besser wenn Gewinne sinnvoll reinvestiert werden, statt als Dividenden ausgezahlt.

3. Mr. Market soll dienen, nicht befehlen

Die Idee von "Mr. Market" stammt von Benjamin Graham. Mr. Market kommt jeden Tag, oder sogar jede Stunde, zu einem und bietet für alle Aktien Preise - man kann kaufen oder verkaufen. Manchmal sind diese Preise zu hoch, manchmal zu niedrig. Wichtig ist, dass man sich nicht von Mr. Market befehlen lässt was zu tun ist, sondern ihn dann ausnutzt, wenn er zu hohe oder zu niedrige Preise anbietet. Wenn er euphorisch ist verkauft man, wenn er pessimistisch ist kauft man. So zumindest die allgemeine Regel.

Betrachtet man einzelne Unternehmen, dann gilt das nur bedingt. Auch in überbewerteten Märken kann es noch Schnäppchen geben. Wobei bei einem DAX von fast 9.000 und einem S&P 500 von 1.900 die Schnäppchen rar sind. Bei einem DAX von 6.000 sieht das wahrscheinlich wieder anders aus.

Lasst euch nicht von Mr. Market bei euren Entscheidungen beeinflussen. Ihr sollt ihn ausnutzen, nicht anders herum.

4. Abstand nehmen

Man denkt nicht in Tagen, Wochen oder Monaten, sondern in Jahren. Es ist also nicht hilfreich jeden Tag sein Portfolio zu prüfen. Damit verunsichert man sich nur selbst. Einmal im Monat das Portfolio auf Veränderungen zu prüfen reicht vollkommen aus. Entscheidungen (Kauf/Verkauf) treffe ich meist erst nachdem ich mindestens eine Woche darüber nachgedacht habe. Das verhindert spontane Entscheidungen, die selten gut sind beim Value Investing.

5. Margin of safety

Die margin of safety ist einer der wichtigsten Grundgedanken des Value Investing. Sie ist die Differenz zwischen innerem Wert eines Unternehmens und des Aktienkurses. Die margin of safety sollte möglichst groß sein. Der Value Investor kauft nicht oder nur ungern ein Unternehmen zu seinem inneren Wert. Er sucht immer nach Schnäppchen.

Ein solides und über Jahrzehnte etabliertes Geschäft, wie beispielsweise Coca-Cola oder McDonalds, wird es nicht oft zu einer attraktiven margin of safety geben. Bei Rückschlägen am Gesamtmarkt oder individuellen Problemen im Unternehmen selbst kann es trotzdem dazu kommen, dass auch solche Unternehmen -durch einen günstigen Preis- attraktiv für Value Investoren werden. Ich persönlich mag solche Blue Chips, da man ihre Produkte kennt und die Recherchen leichter sind. Es gibt aber auch Value Investoren, die lieber nach Nebenwerten suchen, da dort eher Schnäppchen zu finden sind. So oder so, eine margin of safety sollte vorhanden sein, egal ob Blue Chip oder Nebenwert.

6. Verluste vermeiden

Das klingt jetzt nach keinem besonders geheimen Tipp aber es ist wichtig zu verinnerlichen. Es ist nicht entscheidend bei steigenden Märkten besonders viel zu verdienen, sondern bei fallenden Märkten möglichst wenig zu verlieren. Wenn eine Aktie von 100€ auf 50€ fällt, dann sind das -50%. Um den alten Kurs wieder zu erlangen, muss die Aktie aber um 100% steigen. Daher, Verluste vermeiden. Am besten durch Unternehmen mit soliden Finanzen, wenig Schulden und einem Wettbewerbsvorteil.

In der Grafik sieht man was mit 100€ nach 10 Jahren in unterschiedlichen Szenarien passiert.

Drei Szenarien zum Thema: Vor Verlusten schützen

1. Die jährliche Rendite beträgt 10%. Im zehnten Jahr hat man 236€ und damit eine Rendite von 136%.

2. Im ersten Jahr verliert man -50%. Die folgenden neun Jahre hat man ebenfalls 10% Rendite pro Jahr. In diesem Fall ergeben sich am Ende mickrige 7€ Gewinn.

3. Statt im ersten, verliert man im fünften Jahr -50%. Das Ergebnis ist gleich zu Fall Zwei.
Ich denke hier wird deutlich, Verluste vermeiden ist wichtiger als Gewinne zu maximieren.

7. Disziplin und Geduld

Disziplin ist enorm wichtig. Man muss seinen (hoffentlich) realistischen Zielen und Erwartungen treu bleiben. Zudem darf man bei Durststrecken, die definitiv kommen, nicht vom Kurs abweichen. Weder steigende noch fallende Märkte oder Kurse sollte die eigenen Value Kriterien aufweichen oder verändern.

Geduld ist ebenso wichtig. Wenn der Markt überbewertet ist und alle anderen Gewinne machen, muss man geduldig bleiben und auf seinen Moment warten. Sind alle pessimistisch und die Kurse im Keller, dann ist Disziplin gefragt, also nicht vom Pessimismus anstecken lassen und bei den Juwelen zuschlagen. Es kann das Investment fürs Leben sein.

8. Chancen erkennen und nutzen

Der Value Investor weiß nicht, was der Markt oder einzelne Kurse in den nächsten Monaten machen. Er weiß aber zu welchem Kurs er zuschlagen muss. Bei einem Shiller-KGV von 27 für den S&P 500 ist für mich klar, dass der Index fallen wird. Dieses Jahr? Nächstes Jahr? Ich weiß es nicht, ich weiß aber, dass es passieren wird. Hier ist wieder Geduld und Disziplin gefragt.

9. Günstig kaufen, teuer verkaufen

Mit steigenden Kursen steigt auch das Risiko. Fallende Kurse hingegen lassen die Augen des Value Investors vor Freude leuchten. Dann ergeben sich meist die besten Einstiegschancen.

Ist ein Unternehmen zwar solide, an der Börse jedoch überbewertet, dann kann auch mit gutem Gewissen verkauft werden. Langfristig wird sich der Aktienkurs dem inneren Wert annähern und dann sind Kursverluste wahrscheinlich.

Sorgen muss man sich machen, wenn es dem Unternehmen schlecht geht, nicht wenn die Kurse fallen. Es ist ganz wichtig sich den Unterschied klar zu machen.

10. Eigene Recherchen durchführen

Wie im gesamten Leben gilt bei den Finanzen noch mehr: eigenes Wissen aufbauen.
Wieso beschäftigen sich Menschen tagelang mit der Auswahl des nächsten Smartphone oder fahren 3 km weiter zum Einkaufen um 0,20€ bei der Butter zu sparen, stecken aber keine Zeit in ihre Finanzen?

Ich persönlich erwarte nicht viel von meiner Rente in ca. 40 Jahren. Selbst vorsorgen zu müssen ist für mich klar. Und da reicht es nicht jeden Monat einen Betrag X auf dem Girokonto zu lassen. Wer sich beraten lässt, der beschäftigt sich wenigstens etwas mit dem Thema. Doch man sollte nie vergessen, Berater sind Verkäufer und nichts anderes, zumindest die "Berater" der Banken. Sie verdienen mit dem Verkauf von Produkten, nicht mit optimaler Beratung.

Aus 1.200€ Erspartem jedes Jahr, werden nach 40 Jahren 48.000€. Bei 2% Verzinsung pro Jahr sind es 26.000€ mehr. Die 2% im ersten oder zweiten Jahr, machen keinen nennenswerten Unterschied aber nach 40 Jahren, machen sich die 2% p.a. deutlich bemerkbar. Der Zinseszins-Effekt ist ganz wichtig.

Wie im Allgemeinen ist es mit Aktien. Wer Geld in Aktien steckt, der sollte sich selbst informieren. Besonders beim Value Investing ist das der Fall. Sich Tipps oder andere Meinungen einzuholen ist ratsam, es muss aber zum eigenen Konzept passen. Aktienrecherchen von Dritten müssen nicht schlecht sein, eigene Nachforschungen sind aber dringend zu empfehlen. Es gibt sehr gute deutsche und englische Seiten, die viele Daten bereits aufbereitet haben. KGV, KBV, Cash Flow, alles ist da, man muss es nur nutzen. Empfehlen kann ich ariva.de und morningstar.com.

Fazit

Mein Fazit lautet: Keep it simple. Value Investing ist zwar ein umfassendes Feld, ihr müsst aber keine Professoren sein, um ein erfolgreicher Value Investor zu werden. Einfache Grundsätze, Wissen der Fundamentaldaten-Analyse, Spaß am Recherchieren und vor allem Ruhe und Disziplin sind die Eckpfeiler des Value Investing. In diesem Artikel habe ich versucht die Grundregeln bzw. Prinzipien zusammen zu schreiben.

Seid ihr anderer Meinung oder habt Ergänzungen? Dann bitte einen Kommentar da lassen.

Viel Erfolg auf dem Weg zum Value Investor.

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