Montag, 3. November 2014

Portfoliomanagement

Zum Value Investing gehört neben dem definieren und befolgen der eigenen Prinzipien und Grundsätze sowie der Aktienrecherche auch das eigene Portfoliomanagement.

Sobald man eine Aktie besitzt, hat man automatisch auch ein Portfolio. Es definiert sich aus allen aktiven Investments. Das Management dieses Portfolios beinhaltet eine regelmäßige Kontrolle und Überwachung.

Es reicht nicht aus, einfach buy and hold zu betreiben. Die Unternehmen und der Aktienkurs entwickeln sich und es gilt in regelmäßigen Abständen zu prüfen, ob die eigenen Investments noch den Value Kriterien entsprechen. Ist der Preis gesunken? Dann sollte man vielleicht nachkaufen. Haben sich die Unternehmenskennzahlen verschlechtert oder ist der Aktienkurs sehr hoch? Dann will man vielleicht verkaufen.

Während eine Aktienrecherche -also die Suche nach attraktiven Investments- in unregelmäßigen Abständen stattfinden kann, sollte das Portfolio regelmäßig geprüft werden. In einer Phase der Marktüberbewertung sind die Schnäppchen rar, daher kann man gerne mal ein paar Monate keine Suche betreiben. Bei dem Portfolio empfiehlt sich das nicht.

Regelmäßige Portfolio-Prüfung

Wie oft sollte man nun sein Portfolio prüfen? Hier gibt es natürlich viele Ansichten.

Hat man nur einen Sparplan auf einen Index, z.B. den DAX, dann reicht die Prüfung einmal im Jahr. Passen die persönlichen und finaziellen Ziele noch zu dem Sparplan? Sollte der Betrag angepasst werden? Das sind in dem Fall die zentralen Fragen.

Besteht das Portfolio aus mehreren Investments, dann bietet sich eine häufigere Prüfung an. Ich versuche etwa einmal im Monat mein Portfolio zu prüfen. Dafür genügen manchmal ein paar Minuten.

Wichtig ist nicht in Aktionismus zu verfallen und ständig das Portfolio anpassen zu wollen. Es entsteht aus der Summe aller getroffenen Investmententscheidungen und sollte schon beim Aufbau stets auf die Value Prinzipien geprüft werden. Eine nachträgliche Korrektur ist möglicherweise mit Verlusten verbunden und damit nicht mehr so leicht möglich.

Kategorien im Portfolio

Ein Portfoliomanagement kann auf einem Zettel, im Excel oder mit spezieller Software betrieben werden. Viele Webseiten bieten ein kostenloses (fiktives) Portfolio an, welches man nur mit seinem realen abgleichen muss.

Der eigene Broker biete auch gewisse Funktionen im Portfoliomanagement, das ist aber von Broker zu Broker unterschiedlich. Meist sind die Möglichkeiten recht beschränkt. Ich benutze den Portfoliomanager von morningstar.com. Dort besteht die Möglichkeit sich über 200 Kennzahlen zu seinem Portfolio übersichtlich anzeigen zu lassen.

Als Value Investor habe ich folgende Kennzahlen gewählt:
- Name der Aktie
- Gewichtung im Portfolio
- KBV
- KBV der letzten 5 Jahre
- KGV
- KGV der letzten 5 Jahre
- ROE
- ROE der letzten 5 Jahre
- Dividendenrendite
- Dividendenwachstum der letzten 5 Jahre
- Auszahlungsquote bei Dividenden
- Free Cash Flow / Marktkapitalisierung in %
- Marktkapitalisierung
- Eigenkapital
- Fremdkapital

Das scheint auf den ersten Blick viel zu sein, in der Übersicht geht es dann aber wieder. Hier mal ein Beispiel mit bekannten Unternehmen.

Portfolio mit Kennzahlen des Value Investing
Portfolio mit Kennzahlen

Nun hat man einen guten Überblick über die wichtigsten Kennzahlen. Was sieht man auf einen Blick an dem Beispielportfolio?
1. Apple und BP machen über 50% des Portfolios aus.
2. Apple, Facebook und Tesla bewegen sich weit über einem KBV von 1.
3. Nur Apple und BP haben akzeptable KGV (unter 20).
4. Apple hat das mit Abstand höchste ROE.
5. Nur BP zahlt eine passable Dividende. Sie ist aber in den letzten 5 Jahren gesunken.
6. BP zahlt im Gegensatz zu Apple viel seines Gewinns als Dividende aus.
7. Facebook hat sehr wenig Schulden.
8. Tesla hat hohe Schulden, macht kein Gewinn und hat ein KBV von 32. (Damit entspricht Tesla keinesfalls den Value Kriterien.)

Diese acht Erkenntnisse konnte ich nur anhand dieser einseitigen Portfolio-Übersicht ziehen. Das gleich lässt sich übrigens auch mit einer Watchlist machen. Zudem kann alles als Excel-Datei exportiert werden.

Portfolio-Zusammensetzung

Das Portfolio eines Value Investors besteht optimaler Weise nur aus Value Aktien. Eine Beimischung von Spekulations-Titeln ist nicht schlimm, der Anteil sollte aber nicht über 10% liegen. Dazu kommt noch Cash.

Für mich gehört Cash zum Portfolio, da es zum Kauf benötigt wird und beim Verkauf entsteht. Wird das Cash ausgeblendet, kann ein falsches Bild entstehen, zudem ist nur so eine eindeutige Abgrenzung zwischen Investmentkapital und "privatem" Kapital möglich.

Diversifikation ist ein spannendes Thema, auch hier gibt es viele Ansichten. Für mich ist sie wichtig, darf aber nicht übertrieben werden. Diversifikation bedeutet nicht viele Aktien zu haben, sondern das Risiko durch verschiedene Länder, Sektoren usw. zu verteilen. Aber bitte nicht auf Krampf.

Ist es schlimm 100% in Deutschland oder Europa investiert zu sein? Nein! Value Investing bedeutet sich auf den inneren Wert eines Unternehmens zu konzentrieren und mit einer hohen margin of safety Schnäppchen zu kaufen. Lieber in einem bekannten Markt in bekannte Unternehmen investieren, als zwanghaft irgendeine Aktien aus Hongkong zu kaufen.

Bei zu vielen Aktien (20 oder mehr), fällt es sehr schwer die Übersicht zu behalten. Ein Ziel von 10-15 Aktien halte ich für sinnvoll, besser 10 als 15. Dadurch konzentriert man sich viel mehr auf die einzelnen Titel und kann die wichtigsten Kennzahlen im Kopf behalten.

Viel Erfolg auf dem Weg zum Value Investor.

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