Sonntag, 1. Februar 2015

Erdöl und mein Portfolio

In diesem Beitrag möchte ich verschiedene Themen anschneiden. Obwohl ich im Frühjahr 2015 nicht mehr handeln wollte, hat mich der niedrige Ölpreis doch dazu veranlasst. Daher jetzt ein paar Worte zu den Themen Rohöl, Portfolio und allgemeiner Ausblick.

Erdöl

Der Erdölpreis für Brent (WTI in gleichem Maße) ist seit September 2014 von ca. $100 auf aktuell ca. $50 gefallen. Ursache sind Spekulationen und ein Überangebot von ca. 2 Millionen Barrel am Tag. Vergleicht man das mit der Fördermenge von etwa 90 Mio. Barrel am Tag, ergibt sich ein Überangebot von 2%. 

Preischart Erdöl Brent seit Februar 2014
Erdölpreis Brent seit Februar 2014
In den letzten 15 Jahren hat sich die Erölförderung -relativ stetig- um 25% erhöht. Die Ursachen für den plötzlichen Preisrutsch sind vielfältig. 

Die mit Abstand größten Erdölförderländer sind Saudi-Arabien, Russland und die USA. Durch Fracking haben die USA ihre Fördermenge schnell erhöhen können und sind nun auf Augenhöhe mit Saudi-Arabien. Dadurch entsteht aktuell ein Überangebot. Die Nachfrage wächst durch die eher schwache Weltwirtschaft langsamer als erwartet. 

Die OPEC (ohne Russland, USA und Kanada) hat in solchen Situationen in der Vergangenheit die Fördermenge gesenkt, um den Preis wieder zu erhöhen. Diesmal jedoch reagiert die OPEC nicht. Damit will sie die USA und das Fracking angreifen, da die Fracking-Kosten über den Förderkosten der OPEC liegen. Zudem schadet der niedrige Ölpreis auch Russland, die die Einnahmen im Staatshaushalt brauchen.

Neben diesen Fundamentaldaten des Rohstoffs wirken Spekulationen als Katalysator. 

Egal warum, der Preis steht nun bei $50. Ich kann mir nicht vorstellen, dass die OPEC Interesse daran hat, dass der Preis langfristig niedrig bleibt. Aktuell kommen die Fracking-Unternehmen der USA in finanzielle Probleme und Ölkonzerne wie BP verabschieden Kostensenkungsprogramme. 

Rohstoffe sind für einen Value Investor Spekulation. Wie sich der Preis in den nächsten Monaten entwickelt weiß ich nicht, ebenso nicht wann er wieder steigt. Ich spare mir spekulative Gedanken dazu, das führt zu nichts. Der IST-Stand ist aufgenommen und ich komme zu dem Schluss, auf steigende Preise zu setzen, da ich diese erwarte. 

Daher habe ich ein Derivat (Tracker-Zertifikat) mit einem 4-fachen Hebel auf Brent gekauft. Mittelfristig erwate ich Preise von ca. $60. Mein Ziel sind jedoch ca. $90, dann hätte ich einen sehr guten Gewinn gemacht. 

Aktuelles Portfolio

Mein aktuelles Portfolio ist streng zwischen langfristigen Investitionen und kurzfristigen Spekulationen getrennt. Das Verhältnis beträgt etwa 60:40. 

Zu den Investitionen gehören u.a.: Gazprom, BP, Arcelor Mittal und K+S. 
Die Spekulationen sind vorwiegend Short-Zertifikate auf Indizes und einzelne Unternehmen.

Mit diesem Mix versuche ich einerseits mein Investitionsportfolio aufzubauen und andererseits gegen die Überbewertung des Marktes zu spekulieren. Das Notenbank-Geld, welches aktuell in den Aktienmärkten steckt, wird vermutlich irgendwann "vernichtet". Und zwar dann, wenn der Markt einbricht.

Gazprom und BP sind meine Cash-Cows bzw. Dividenden-Bringer.

Gazprom bietet mit einer Marktkapitalisierung von 43 Mrd. € und 122 Mrd. € Eigenkapital (nach aktuellem Umrechnungskurs) zudem ein großes Kurspotential. Das Risiko besteht im Wechselkurs und der Politik Russlands sowie Sanktionen. Gazprom und Russland richten sich nun mehr nach Asien und dem Nahen Osten aus. Das sollte dem Unternehmen aber nicht schaden, sondern eher nützen. Dadurch ist man breiter aufgestellt und hat neue Absatzmärkte.

BP hat ein KBV von 1 und eine Dividendenrendite von ca. 5%. Ein Vorteil ist die Notierung in Großbritannien. Dadurch findet für Ausländer keine Besteuerung der Dividende in GB statt.

Short mit Spekulationen bin ich mit dem S&P 500, dem Dax, sowie Apple, Tesla und Facebook. Wenn der Markt einbricht, trifft es die "Wachstumsunternehmen" am härtesten. Dazu zähle ich Tesla und Facebook.

Zudem halte ich Long Zertifikate/ETF auf Rhodium und Mais.

Ausblick

Ich versuche defensiv zu bleiben. Trotz der Ölspekulation möchte ich vorerst nicht weiter handeln. Mit meinem Portfolio bin ich zufrieden. Die Short-Spekulationen lasse ich stehen, bis der Markt einbricht. Sollten die Indizes noch weiter steigen, kaufe ich eventuell nach, um meinen Anteil am Portfolio konstant zu halten.

Ich sehe die USA in der Entwicklung vor Europa. Während dort die Billionen der Notenbank nicht mehr fließen, fängt Europa erst damit an. In den USA deutet sich ein langsamer Zinsanstieg an, ob er wirklich bald kommt bezweifel ich allerdings. 

Es gibt diverse Risiken, die aktuell vom Aktienmarkt ausgeblendet werden. Millionen Flüchtlinge Weltweit. Es herrscht Krieg in Syrien, Palästina, Ukraine usw. Griechenland hat eine Linke Regierung, die nicht mehr mit der EU zusammenarbeiten möchte. Iran strebt immer noch zur Atombombe, IS herrscht im Irak und Syrien und tausende Europäer ziehen mit der IS mordend und vergewaltigend unter der Flagge des Islam durch den Nahen Osten. China wartet auf das Platzen der Finanz- und Immobilienblase. Es gibt also genug Themen, die die Märkte erschüttern könnten, noch aber ausgeblendet werden. 

Am Ende werden die Fundamentaldaten Recht behalten und das bedeutet ein Korrektur der Märkte nach unten. 

Warten wir ab was passiert, ich bleibe dran. 

Viel Erfolg auf dem Weg zum Value Investor.

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