Mittwoch, 21. Oktober 2015

KBV von 0,6 und Gewinn - ein Schnäppchen? / Joy Global

Ich habe mal wieder den FT Stock Screener angeworfen (siehe Links) und dabei etwas interessantes gefunden: Joy Global.

Joy Global ist ein führender Anbieter von Minen-Equipment und dazugehörigen Dienstleistungen. Dazu gehören die Bereiche Underground und Surface.

Geschäftsbericht 2014

Der Umsatz lag bei 3,8 Mrd. $, in 2013 waren es noch 5 Mrd. $. 
Der Gewinn verringerte sich von 0,53 Mrd. $ auf 0,33 Mrd. $. Es wurde trotzdem eine Dividende von 0,75$ pro Aktie gezahlt. Die Umsatzrendite lag bei 8,7%.

Durch eigene Aktienrückkäufe konnte die Aktienzahl von 107 Mio. auf 101 Mio. verringert werden.

Von 2009 bis 2012 konnte der Umsatz gesteigert werden. Seit dem geht es wieder Richtung 2009-Niveau. Der Bereich Service macht dabei mehr als die Hälfte der Umsätze aus. Vor allem in schwachen Jahren das Rückrat des Umsatzes. 

Umsatz seit 2009
Umsatz seit 2009

Joy Global beschreibt sein Geschäft wie folgt:
Joy Global Inc. (the "Company," “we” and “us”) is a leading manufacturer and servicer of high productivity mining equipment for the extraction of coal and other minerals and ores. We manufacture and market original equipment and parts and perform services for both underground and surface mining, as well as certain industrial applications. Our equipment is used in major mining regions throughout the world to mine coal, copper, iron ore, oil sands, gold and other minerals. We operate in two business segments: Underground Mining Machinery ("Underground") and Surface Mining Equipment ("Surface").
Ende 2014 beschäftigte Joy Global ca. 15.400 Mitarbeiter, 5.500 davon in den USA.

Ca. 70% der Umsätze werden außerhalb der USA erzielt. Zu den Risiken gehören damit Währungsschwankungen, ausländische Gesetzgebung, Ukraine-Konflikt, Naturkatastrophen, usw.
Approximately 61% of our revenues come from our thermal and metallurgical coal-mining customers. Many of these customers supply coal for the generation of electricity and/or steel production. 
2014 lag der Preis pro Aktie zwischen 47$ - 65$. Wer 2009 100$ investierte, der hatte mit dem S&P 500 im Jahr 2014 216$, mit der Joy Global Aktien nur 111$.

Umsatz seit 2004
Umsatz seit 2004

Die kommende Umsatzentwicklung ist schwer vorherzusagen. Von 2004 bis 2012 ging es stetig bergauf, auch dank Zukäufen. Seit 2012 geht es nun wieder bergab. Zu erwähnen ist der seit elf Jahren positive Gewinn.
While commodity prices remain depressed with limited upside expected in 2015, we continue to focus on those things that we can control. Our focus remains on creating growth with new products and providing world class direct service and support to our customers. 
With our service business representing nearly 70 percent of our revenue in 2014, developing our global network of service centers will remain a priority in 2015 beginning with our Peru and Russia locations, which is set to open in fiscal 2015. 
Der Umsatz teilt sich etwa 50:50 zwischen Underground und Surface auf. Bei dem operativen Gewinn ist der Geschäftsbereich Surface besser.

Bookings 2014
Bookings 2014
Der Auftragseingang für 2014 betrug 3,6 Mrd. $. Der Backlog Ende Oktober 2014 betrug 1,33 Mrd. $. 

2013 wurden bis zu 1 Mrd. $ für Aktienrückkäufe bis August 2016 zur Verfügung gestellt. Davon sind Ende 2014 noch 0,52 Mrd. $ übrig. Von dem Rest wurden 2013 und 2014 Aktien zurück gekauft.

Die Finanzkennzahlen werde ich mir im Quartalsbericht II. 2015 ansehen. 

Geschäftsbericht II. Quartal 2015

Im ersten Halbjahr 2015 wurden 1,51 Mrd. $ umgesetzt. Damit konnte ein Gewinn von 62 Mio. $ erzielt werden. Das waren 0,64$ Gewinn pro Aktien, sowie 0,40$ Dividende pro Aktie. 

Die Aktienzahl ist auf 98 Mio. gesunken. Ein Jahr davor waren es noch 102 Mio. 

Bei einer Bilanzsumme von 5,4 Mrd. $ beträgt das EK 2,7 Mrd. $ und das FK ebenfalls 2,7 Mrd. $. Bei einem aktuellen Kurs von 16,40$ ergibt sich eine Marktkapitalisierung von 1,6 Mrd. $ und somit ein KBV von 0,6.

Bookings 1. HJ
Bookings 1. HJ
Der Auftragseingang im ersten Halbjahr ist weiter Rückläufig. 

Fazit

Die reinen Geschäftszahlen sehen von der Tendenz her nicht gut aus. Das Geschäft ist aktuell rückläufig. Jedoch arbeitet das Management daran die Kosten zu senken und kauft zudem noch Aktien zurück, was ich sehr gut finde.

Der Kurs ist abgestürzt und auf dem Niveau von 2008. Für mich mit den aktuellen Zahlen nicht rational zu erklären. Aber umso besser für einen Value Investor.

Kursentwicklung seit 2006
Kursentwicklung seit 2006

Die Kennzahlen sind gut. EK-Quote von guten 50%, KBV von 0,6 und einen EK-Rendite von durchschnittlich 25% in den letzten fünf Jahren sprechen für sich.

Der Free Cash Flow ist auch positiv, was in schweren Zeiten wichtig für die Eigenfinanzierung ist. 2013 und 2014 wurden mit dem guten Cash Flow Schulden getilgt und Aktien zurück gekauft. 

Die Dividendenrendite war bisher nicht toll aber durch dem aktuell nierigen Kurs wird die Quote natürlich besser. Die 0,75$ Dividende 2014 wären bei dem aktuellen Kurs eine Dividendenrendite von 4,6%. Die Dividende ist aber nicht so wichtig, Hauptsache das Geschäft zieht wieder an. Lieber Schulden reduzieren oder Aktien zurück kaufen, als Dividende zahlen. 

Kennzahlenübersicht Joy Global
Kennzahlenübersicht Joy Global

Die Joy Global Aktie wird sich deutlich erholen, wenn die Umsätze und Gewinne wieder steigen. Das Management macht auf mich einen sehr aktionärsfreundlichen Eindruck. Das CEO hat erst kürzlich wieder eigene Aktien für rund 500.000$ gekauft. 

Insgesamt ein attraktives Unternehmen, zu einem attraktiven Preis, an dem ich mich möglicherweise beteiligen werde. Die Antwort auf die Titelfrage ist also: Ja, es ist ein Schnäppchen.

Wie immer gilt, recherchiert selbst, ich gebe hier keine Handlungsempfehlungen ab, sondern nur meine Meinung wieder.  

Viele Grüße,
nobody

Samstag, 17. Oktober 2015

Automobilunternehmen weltweit - Schnellcheck

Auch aufgrund der aktuellen Probleme bei Volkswagen habe ich mir einige der weltweiten Automobilunternehmen angesehen. Ziel ist ein Überblick über die Kennzahlen, um potentielle Investments zu finden.

Peugeot

Grundlage ist der Halbjahresbericht 2015.
Peugeot hat ca. 1,55 Mio Fahrzeuge verkauft. Davon 890.000 von Peugeot und 660.000 von Citroen (inkl. DS). Das ist eine Steigerung von 0,4% zum Vorjahreszeitraum.

994.000 Fahrzeuge in Europa
368.000 Fahrzeuge in China und Südostasien
101.000 Fahrzeuge in Afrika und dem Nahen Osten
76.000 Fahrzeuge in Lateinamerika

Peugeot ist mit 51,70% Anteilseigner am Zulieferer Faurecia.

Peugeot Umsatz
Peugeot Umsatz

Peugeot machte damit einen Gewinn von 720 Mio. €. Das ist eine Umsatzrendite von rund 2,5%.

389 Mio. € wurden als Kosten für die Restrukturierung des Unternehmens angegeben. Der Free Cash Flow (FCF) und die Eigenkapitalrendite der letzten fünf Jahre sind negativ. Peugeot hat deutlich zu kämpfen.

Frankreich hält immer noch 14% an Peugeot. Keine Zeichen dafür, dass die schweren Zeiten vorbei sind.

Mit einem KBV von 1 und den schwachen Zahlen scheidet Peugeot als mögliches Investment deutlich aus. Zumal ich Peugeot bereits 2013 für 6,25€ gekauft hatte und zu einem sehr guten Zeitpunkt, knapp ein Jahr später, für 14,23€ verkauft habe. Heute steht das Unternehmen nicht bedeutend besser da, kostet aber knapp 15€ an der Börse.

Insgesamt gefällt mir der Halbjahresbericht nicht. Ich hätte mir mehr Informationen in den Kommentaren zum Cash Flow gewünscht.

Toyota

Datenquelle ist der Geschäftsjahresbericht 01.04.2014 bis 31.03.2015.

Der Bericht ist in japanischen Yen, was die Sache etwas umständlich macht. Die Umrechnung ist ca. 136 Yen = 1 Euro.

Bei 27 Bill. Yen Umsatz hat Toyota einen Gewinn von 2,2 Bill. Yen. Das ist eine Umsatzrendite von 8%. Deutlich attraktiver als Peugeot.
0,5 Bill. Yen wurden als Dividende gezahlt. Das ist eine Auszahlungsquote von 29%. Die Dividendenrendite beträgt rund 2%.

Toyota hat fast 9 Mio. Fahrzeuge verkauft. Sie verteilen sich wie folgt:
Japan 2,2 Mio.
Nordamerika 2,7 Mio.
Europa 0,9 Mio.
Asien 1,5 Mio.
Andere 1,8 Mio.
Das waren 150.000 Fahrzeuge weniger als im Vorjahreszeitraum.

Toyota konzentriert sich auf sein Kerngeschäft und hat keine Beteiligungen, wie z.B. Peugeot.

Das KBV liegt bei 1,4. Mit einer EK-Rendite von rund 9% innerhalb der letzten Jahre ist Toyota, in der Beziehung, nicht ganz unattraktiv.

General Motors

Basis bildet der Q2 Bericht 2015.

In den ersten sechs Monaten 2015 wurde ein Umsatz von 74 Mrd. $ erzielt. Das Ergebnis beträgt 2 Mrd. $.

Seit 2010 sinkt der Gewinn eher, als dass er steigt. Wurden 2010 und 2011 noch 6 Mrd. $ bzw. 9 Mrd. $ Gewinn erzielt, werden es 2015 wohl eher 4 Mrd. $.

Ohne die Aufnahme neuer Schulden, wäre auch der Cash Flow der letzten beiden Jahre negativ.

2014 hat GM rund 9,9 Mio. Fahrzeuge verkauft. Damit war GM denkbar knapp hinter Volkswagen auf Platz 2.

Die EK-Rendite von durchschnittlich 16% basiert selbstverständlich auf dem geringen EK-Anteil von 19%. Da ist Toyota mit 35% besser aufgestellt.

2014 wurde das erste mal seit Jahren wieder eine Dividende gezahlt, daher ist der Durchschnittswert auch bei nur 0,7%.

Mit einem KBV von 1,5 und den vielen Schulden fällt GM auch als interessantes Investment bzw. für eine tiefere Analyse aus.

BWM

Nun zu meinem kleinen Liebling. Ich kannte den Q2 Bericht 2015 noch nicht, war mir aber sicher, dass er besser ausfällt als bei den drei anderen Herstellern.

Im ersten Halbjahr 2015 wurden 1,1 Mio. Autos verkauft. Damit wurden 41 Mrd. € Umsatz erzielt. Das sind 37.000 € pro Fahrzeug, wozu auch Mini und Rolls-Royce gehören.

Gesamtumsatz waren 45 Mrd. €, damit wurden 3,3 Mrd. € Gewinn erzielt. Das sind 7% Umsatzrendite.

An Umsatzmenge ist das Q2 und das 1.HJ 2015 ein neuer Rekord für BMW. Und das während andere Hersteller, wie Peugeot, nur mit Staatsbeteiligung überleben können.

BMW Absatzmengen nach Fahrzeugmodell
BMW Absatzmengen nach Fahrzeugmodell

Dazu kommen die Mini-Modelle und Rolls-Royce sowie die Motorräder.

BWM hat es geschafft seit 1999 jedes Jahr Gewinn zu erzielen. Selbst 2008 und 2009, Jahre mit ungewisser Zukunft, wurden 500 Mio. € Gewinn erzielt. Auch durch Sparmaßnahmen aber ohne Massenentlassungen.

Der Cash Flow sieht nicht ganz so gut aus. Auch hier mussten über die letzten Jahre Schulden aufgenommen werden. Zwar ist das EK seit 2010 um 61% auf 37 Mrd. (2014) gestiegen. Jedoch im gleichen Zeitraum auch das FK um 37% bzw. 32 Mrd. €.

Der schwache Cash Flow und die Verschuldung sind Punkte, an denen BMW arbeiten sollte. Ansonsten ein attraktives Unternehmen, mit einem ausgezeichneten Management.

Daimler

Nun zu Mercedes Benz oder wie das Unternehmen heute heißt, Daimler. Auch hier sind die Gewinne der letzten Jahre beeindruckend. Nur 2001 und 2009 wurde seit 1999 ein Verlust erzielt. Eine ähnlich gute Bilanz wie BMW.

Basis ist auch hier der Q2 Bericht 2015. Im 1. HJ 2015 konnte ein Umsatz von 72 Mrd. € erzielt werden. Dieser teilt sich wie folgt auf:
Westeuropa 12 Mrd. €
Deutschland 11 Mrd. €
NAFTA 23 Mrd. €
China 7 Mrd. €
Rest Asien 10 Mrd. €
Sonstige Märkte 9 Mrd. €

Im Q2 konnte Daimler 715.000 Fahrzeuge verkaufen. Darunter 501.000 Mercedes Benz Cars und 125.000 Daimler Trucks.

Daimler beschäftigt 285.000 Mitarbeiter weltweit. Der Umsatz im 1. HJ lag bei 72 Mrd. €. Damit wurde ein Gewinn von 4,4 Mrd. € erzielt. Das sind 6,1% Umsatzrendite.

Daimler muss sich, wie BMW, mehr Geld leihen, um sich selbst zu finanzieren. Das wird auch am Cash Flow deutlich. Steigendes Eigenkapital bei steigenden Schulden. Für einen Value Investor kein guter Kompromiss.

Das KBV liegt aktuell bei 1,6. Dazu kommen eine attraktive EK-Rendite, jedoch "erkauft" durch Schulden. Die Dividendenrendite ist attraktiv, der Free Cash Flow jedoch negativ. Die Summe aller Kennzahlen macht Daimler aktuell (bei dem Kurs) nicht interessant für Value Investoren.

Volkswagen

Nun zum Grund der ganzen Analysen. Ich will nicht nur die Automobilbranche an sich vergleichen, sondern speziell die Einordnung von Volkswagen in der aktuellen Krise analysieren.

Bei Volkswagen ist wieder der Q2 2015 Bericht die Quelle. Im 1. HJ wurden 5,09 Mio. Fahzeuge verkauft. Ob es im Gesamtjahr mit den 10 Mio. klappt, mag ich angesichts der Probleme zu bezweifeln.

Es konnte ein Umsatz von 109 Mrd. € erzielt werden. Zum Vergleich, GM hatte 74 Mrd. $ erzielt.
Der Gewinn betrug 5,6 Mrd. €. Das sind 5,1% Umsatzrendite.

Bei den Auslieferungen an Fahrzeuge ist der China-Anteil im Gegensatz zum 1. HJ 2014 um 4% gesunken. Übrigens wurden im 1. HJ 2015 genau 17 Bugatti ausgeliefert.

Der Absatz und der Umsatz bilden sich wie folgt ab.

Volkswagen-Konzern Absatz und Umsatz 1. HJ 2015
Volkswagen-Konzern Absatz und Umsatz 1. HJ 2015

Der Absatz aller Marken verteilt sich nach Regionen so:
Europa / übrige Märkte 2,3 Mio.
Nordamerika 0,46 Mio.
Südamerika 0,28 Mio.
Asien-Pazifik 2 Mio.

VW hat es geschafft seit 2000 kein Jahr mit Verlust zu beenden. Im Rekordjahr 2012 konnte ein Gewinn von sagenhaften 22 Mrd. € erzielt werden.

Seit 2010 ist das EK um 109% auf 96 Mrd. € gestiegen. In der gleichen Zeit aber auch das FK um 82% auf 278 Mrd. €. Auch hier eine Schuldenentwicklung, die mir nicht gefällt. Und das in einem sehr günstigem Zinsumfeld.

Vergleich

Ich wollte die Unternehmen im Schnellcheck vergleichen, keine Tiefenanlyse machen. Daher auch die kurzen Ausführungen.

Peugeot ist bei der negativen Rendite und einem KBV von 1 zu hoch bewertet.

Toyota ist solide, jedoch mit einem KBV von 1,4 kein Schnäppchen. Zu einem guten Einstiegskurs jedoch möglicherweise attraktiv.

GM zahlt wenig Dividende, was aber nicht schlimm ist. Der Free Cash Flow ist zwar gut, jedoch werden für weitere Investitionen Schulden gemacht. Das KGV von 20 ist auch nicht sehr attraktiv.

BMW hat grundsolide Zahlen. Ein KGV von 10 und ein KBV von 1,3 überzeugen. Rendite ist auch genug vorhanden. Bei einem Kurs unter 75 könnte man beginnen einzusteigen. Kurse unter 60 sind ein kleines Schnäppchen. Bei 60 wäre das KBV bei 0,93.

Daimler hat in letzter Zeit viel erreicht. Neues Produktdesign, besseres Image. Das ist auch am Aktienkurs zu sehen. Ein gutes Unternehmen, jedoch mit vielen Schulden, wie fast die ganze Branche. Rendite und KGV stimmen. Mit einem KBV von 1,6 jedoch zu teuer. Ich habe 2012 nicht gekauft, da war der Kurs bei 36. Auf dieses Niveau müsste er wieder kommen, damit es als Value Investor interessant wird.

Volkswagen hat aktuell die beste Bewertung in den Kennzahlen. Was aber daran liegt, dass die Einflüsse der Krise noch nicht wirken: Absatzverlust, Strafzahlungen, Rückrufaktionen, Imageschaden. Die Latte der Risiken ist lang.

Auch VW ist hoch verschuldet, muss jetzt zudem Rückstellungen buchen. Gewinn wird wohl vorerst keiner mehr erzielt. Zumindest wäre VW schlau, mit den Rückstellungen jetzt Streuern zu mindern. Rendite ist gut, EK-Quote im Vergleich ok, KGV sogar das Beste im Vergleich. Das KBV von 0,6 lässt jeden Value Investor aufhorchen. Doch müssen die Risiken dagegen gerechnet werden.

Das Gap zwischen einem KBV von 1 und 0,6 sind 42 Mrd. € Eigenkapital. Heißt, sollte VW 42 Mrd. € EK "verlieren", dann wären sie mit dem aktuellen Kurs von 101€ bei einem KBV von 1.

Vermutlich wird aber der Kurs weiterhin für ein KVB < 1 sorgen, egal wie sich das EK entwickelt.


Umsatz und Gewinn Historie
Umsatz und Gewinn Historie 

Hier zu sehen die Zusammenstellung von Gewinn und Umsatz der sechs Unternehmen. Peugeot ist besonders schlecht mit stagnierendem Umsatz und fünf von acht Jahren Verlust.

BMW und VW haben das beste und stabilste Umsatzwachstum. Bei Daimler sieht man das Comeback seit 2009, auch verbunden mit der Modelloffensive.


Kennzahlenvergleich Automobilunternehmen
Kennzahlenvergleich Automobilunternehmen

In der Kennzahlenübersicht ist VW -erwartungsgemäß- am besten. Liegt aber daran, dass es noch die Vor-Krise-Zahlen sind, verglichen mit dem aktuellen Aktienkurs.

Fazit

Ab einem Kurs von rund 93€ hat Volkswagen ein KBV von 0,5. Volkswagen ist ein Konzern, nicht nur die Marke VW. Volkswagen PKW trägt "nur" ca. 50% zum Umsatz bei. Porsche und Audi machen zusammen ca. 38% Umsatz aus. Somit sind nicht alle Marken von dem Skandal betroffen.

Trotzdem sehe ich VW vor einem Konzernumbau und einer Umstrukturierung. Compliance ist ein Prozess, eine Organisation, ein Wille des Managements. VW hat da anscheinend viel Nachholbedarf. Das wird Zeit und Geld kosten, VW am Ende aber vielleicht sogar stärker machen.

Sollte der VW-Aktienkurs nochmal unter 93€ fallen, überlege ich einzusteigen. Als Katalysator könnte hier der Gesamtmarkt wirken. DAX-Krise plus VW-Krise kann auch Kurse von 30 ergeben. Es ist gerade mal 6 Jahre her, dass VW bei knapp 30 stand.

Die anderen Unternehmen aus dem Vergleich sind aktuell zu teuer. Allein Toyota, BMW und Daimler erscheinen mir als gute Unternehmen. GM müsste ich mir genauer ansehen für ein Urteil. Peugeot ist ganz klar Schlusslicht. Wenn man böse wäre könnte man sagen, quasi eine französische ABM-Maßnahme.

Damit endet dieser Beitrag. Ich hoffe euch hat das lesen etwas Spaß gemacht und ihr konntet ein paar Ideen und Informationen mitnehmen.

Viele Grüße, nobody

Sonntag, 11. Oktober 2015

S&P 500 Performance - einmalige Investition vs. Sparplan

Am Beispiel des S&P 500 habe ich die Effektivität eines Sparplanes überprüft. Basisdaten sind die Jahresschlusskurse seit 1928.

Die Dividenden sind nicht direkt mit einbezogen. Der S&P 500 ist, im Gegensatz zum DAX, ein Kursindex. Das bedeutet er berechnet sich ohne Reinvestition der Dividenden. Der DAX ist ein Performanceindex, dort werden die Dividenden reinvestiert.

Bei einem ETF auf den S&P 500 werden die Dividenden überlicherweise ausgeschüttet. Die Dividendenrendite liegt über die letzten Jahre bei ca. 2% p.a.

Berechnung der Daten


Mit den Daten seit 1928 habe ich verschiedene Szenarien berechnet. Kennzahl ist immer die durchschnittliche, jährliche Rendite. Verglichen wurde eine einmalige Investition mit einem Sparplan, bei dem jedes Jahr der gleiche Betrag in den Index investiert wird. Es gibt vier Zeiträume die berechnet wurden. Die Entwicklung nach 5, 10, 20 und 30 Jahren.

Die Formeln können von euch gern kritisch geprüft werden. Ich hoffe aber ich habe keine Fehler drin. Für die Rendite p.a. bei der Einmalinvestition rechne ich z.B.:
5y: (Jahresendwert 1933 / Jahresendwert 1928) ^ (1/5)-1 = (9,97 / 24,35) ^ (1/5)-1 = -16,36%
10y: (Jahresendwert 1938 / Jahresendwert 1928) ^ (1/10)-1 = (13,14 / 24,35) ^ (1/10)-1 = -5,98%
Verbal heißt das, dass ich Ende 1928 den Index kaufe und fünf Jahre später, also Ende 1933, verkaufe. Dann habe ich eine jährliche Rendite von -16,36%.

Bei dem Sparplan wird die Berechnung etwas umfangreicher. Als erstes ermittel ich wie viel Anteile vom Index ich am Jahresende für 100€ bekomme. Also 100 / Jahresendkurs. 1928 sind das 4,107 Anteile (100 / 24,35). Nun werden jedes Jahr für 100€ Anteile gekauft, je nach Kurs.
Wenn fünf Anteile gekauft sind, dann wird mit dem Jahresendkurs des Folgejahres! verglichen. Heißt konkret, 1928, 1929, 1930, 1931 und 1932 werden Anteile am Index für 100€ gekauft. Ende 1933, also fünf Jahre nach dem ersten Kauf, wird zum Jahresendkurs verkauft.

Die Formel lautet:
5y: (SUMME aller gekauften Anteile * Endkurs nach 5 Jahren / 500€) ^ (1/5)-1
(42,05 Anteile * 9,97 / 500€) ^ (1/5)-1
(0,838) ^ (1/5)-1

Ergebnisse


Es gibt einige interessante Ergebnisse. Ein einmaliges Investment kann den Sparplan deutlich schlagen. Egal wie lang die Anlagedauer ist. Es kann aber auch weniger, oder sogar eine negative Rendite abwerfen.

Wer 2009 bei einem Kurs von 1.115 gekauft hat, der hatte 2014 eine Rendite von 13,05% p.a. Ein Sparplan hätte nur 8,96% p.a. erzielt.

Wer 1984 -bei 167- gekauft und 2014 bei 2.059 verkauft hat, der hatte eine Rendite von 8,7% p.a. Ein Sparplan hätte es nur auf 4,49% p.a. geschafft.

Es ist klar ersichtlich, vor allem über 30 Jahre, dass ein Einmalinvestment deutlich mehr Rendite abwirft als ein Sparplan. Problem daran ist aber klar. Wer hat heute die 72.000€ zum investieren, die einem Sparplan von monatlich 200€ entsprechen? Von daher hat man ja gar nicht die Wahl, sondern muss quasi auf den Sparplan setzen.

Was erkenne ich noch aus den Daten:

1. Der 30-Jährige Sparplan hatte nie eine negative Rendite. Die geringste war 1974. Wer 1974 alle Anteile bei 68 verkauft hat, der hatte eine Rendite von 2,26% p.a. Die Dividendenrendite von 1944 bis 1974 lag jedoch bei 4,3% p.a. Das ergibt zusammen trotzdem stolze 6,6%.

2. Das 30y gesamt (mit Dividenden) schlechteste Endjahr ist 1981, mit einer Rendite von 6,51%.

3. Der Mittelwert bei der 30y p.a. Gesamtrendite liegt bei stolzen 8,4%.

4. Das beste Verkaufsjahr wäre 1999 gewesen. Die Rendite hätte enorme 11,26% p.a. betragen.

5. Der 20y Sparplan war 1974 mit 0,08% p.a. vor Dividenden das schlechteste Jahr zum Verkaufen. 1976 lag der Endkurs des S&P 500 jedoch bei 107, statt 68. Damit wäre die Rendite wieder bei knapp 2% p.a. gewesen.

6. Die Dividendenrendite sinkt relativ konstant in den letzten Jahrzehnten.

7. In den letzten 10 Jahren (2004-2014) lag die Gesamtrendite bei dem 30y Sparplan inkl. Dividenden zwischen 6,5% und 9,3%.

8. Die Gesamtrendite besteht aus der Bardividende (die nicht reinvestiert wird) und der theoretischen Einmalrendite bei Verkauf aller angesparten Anteile des Index. Wird die Dividendenausschüttung konsumiert, dann hat man am Ende der Laufzeit logischerweise nur noch die Rendite aus dem Index. Bei einem DAX ETF wird die Rendite reinvestiert (Performanceindex).

Berechnungen zum S&P 500
Berechnungen zum S&P 500

Schlussfolgerung


Ein Sparplan über einen langen Zeitraum zahlt sich am Ende aus. Wenn man sich den Zeitpunkt des möglichen Verkaufs aussuchen kann, können vergleichsweise niedrige Renditen vermieden werden. 

Als Optimierung kann bei niedrigen Kursen manuell nachgekauft werden. Woher weiß ich wann die Kurse niedrig sind? Ich würde mich am KGV10 orientieren. Also der Durchschnitts-KGV der letzten 10 Jahre. Einen Sofortüberblick gibt es hier. Pauschal würde ich sagen, dass unter 15 über den manuellen Nachkauf nachgedacht werden sollte. Aktuell sind wir bei ca. 25.

Kleines Problem an den 15 ist, dass dieser Wert seit 25 Jahren nicht mehr unterschritten wurde. Aber zumindest das KVG10 halte ich für ein gutes Messinstrument.

Ansonsten bestätigen die Berechnungen, dass ein Sparplan eine sinnvolle Ergänzung zur Altersvorsorge bzw. zum Vermögensaufbau ist. Besonders über eine längere Laufzeit. Die Kosten sind relativ gering und deutlich attraktiver als z.B. aktiv gemanagte Fonds, die sehr hohe Kosten verursachen. 

Der DAX ETF von Black Rock hat einen jährliche Managementgebühr von nur 0,15%. Dazu kommen bei mir 2,50€ Kosten pro Sparplanausführung von meiner Bank. Bei zwei Sparplänen ergibt das 60€ im Jahr. 

Open Data


Ich möchte euch natürlich meine Datenquelle und meine eigenen Berechnungen zur Verfügung stellen. Vielleicht wollt ihr ja damit arbeiten. Über eine Information zu neuen Erkenntnissen würde ich mich natürlich freuen. Vielleicht wird ja ein Gastbeitrag daraus? :)

Rohdaten (mit Link zur Excel): LINK
Eigenen Berechnungen als Excel (.xls): LINK


Viele Grüße,
nobody