Samstag, 17. Oktober 2015

Automobilunternehmen weltweit - Schnellcheck

Auch aufgrund der aktuellen Probleme bei Volkswagen habe ich mir einige der weltweiten Automobilunternehmen angesehen. Ziel ist ein Überblick über die Kennzahlen, um potentielle Investments zu finden.

Peugeot

Grundlage ist der Halbjahresbericht 2015.
Peugeot hat ca. 1,55 Mio Fahrzeuge verkauft. Davon 890.000 von Peugeot und 660.000 von Citroen (inkl. DS). Das ist eine Steigerung von 0,4% zum Vorjahreszeitraum.

994.000 Fahrzeuge in Europa
368.000 Fahrzeuge in China und Südostasien
101.000 Fahrzeuge in Afrika und dem Nahen Osten
76.000 Fahrzeuge in Lateinamerika

Peugeot ist mit 51,70% Anteilseigner am Zulieferer Faurecia.

Peugeot Umsatz
Peugeot Umsatz

Peugeot machte damit einen Gewinn von 720 Mio. €. Das ist eine Umsatzrendite von rund 2,5%.

389 Mio. € wurden als Kosten für die Restrukturierung des Unternehmens angegeben. Der Free Cash Flow (FCF) und die Eigenkapitalrendite der letzten fünf Jahre sind negativ. Peugeot hat deutlich zu kämpfen.

Frankreich hält immer noch 14% an Peugeot. Keine Zeichen dafür, dass die schweren Zeiten vorbei sind.

Mit einem KBV von 1 und den schwachen Zahlen scheidet Peugeot als mögliches Investment deutlich aus. Zumal ich Peugeot bereits 2013 für 6,25€ gekauft hatte und zu einem sehr guten Zeitpunkt, knapp ein Jahr später, für 14,23€ verkauft habe. Heute steht das Unternehmen nicht bedeutend besser da, kostet aber knapp 15€ an der Börse.

Insgesamt gefällt mir der Halbjahresbericht nicht. Ich hätte mir mehr Informationen in den Kommentaren zum Cash Flow gewünscht.

Toyota

Datenquelle ist der Geschäftsjahresbericht 01.04.2014 bis 31.03.2015.

Der Bericht ist in japanischen Yen, was die Sache etwas umständlich macht. Die Umrechnung ist ca. 136 Yen = 1 Euro.

Bei 27 Bill. Yen Umsatz hat Toyota einen Gewinn von 2,2 Bill. Yen. Das ist eine Umsatzrendite von 8%. Deutlich attraktiver als Peugeot.
0,5 Bill. Yen wurden als Dividende gezahlt. Das ist eine Auszahlungsquote von 29%. Die Dividendenrendite beträgt rund 2%.

Toyota hat fast 9 Mio. Fahrzeuge verkauft. Sie verteilen sich wie folgt:
Japan 2,2 Mio.
Nordamerika 2,7 Mio.
Europa 0,9 Mio.
Asien 1,5 Mio.
Andere 1,8 Mio.
Das waren 150.000 Fahrzeuge weniger als im Vorjahreszeitraum.

Toyota konzentriert sich auf sein Kerngeschäft und hat keine Beteiligungen, wie z.B. Peugeot.

Das KBV liegt bei 1,4. Mit einer EK-Rendite von rund 9% innerhalb der letzten Jahre ist Toyota, in der Beziehung, nicht ganz unattraktiv.

General Motors

Basis bildet der Q2 Bericht 2015.

In den ersten sechs Monaten 2015 wurde ein Umsatz von 74 Mrd. $ erzielt. Das Ergebnis beträgt 2 Mrd. $.

Seit 2010 sinkt der Gewinn eher, als dass er steigt. Wurden 2010 und 2011 noch 6 Mrd. $ bzw. 9 Mrd. $ Gewinn erzielt, werden es 2015 wohl eher 4 Mrd. $.

Ohne die Aufnahme neuer Schulden, wäre auch der Cash Flow der letzten beiden Jahre negativ.

2014 hat GM rund 9,9 Mio. Fahrzeuge verkauft. Damit war GM denkbar knapp hinter Volkswagen auf Platz 2.

Die EK-Rendite von durchschnittlich 16% basiert selbstverständlich auf dem geringen EK-Anteil von 19%. Da ist Toyota mit 35% besser aufgestellt.

2014 wurde das erste mal seit Jahren wieder eine Dividende gezahlt, daher ist der Durchschnittswert auch bei nur 0,7%.

Mit einem KBV von 1,5 und den vielen Schulden fällt GM auch als interessantes Investment bzw. für eine tiefere Analyse aus.

BWM

Nun zu meinem kleinen Liebling. Ich kannte den Q2 Bericht 2015 noch nicht, war mir aber sicher, dass er besser ausfällt als bei den drei anderen Herstellern.

Im ersten Halbjahr 2015 wurden 1,1 Mio. Autos verkauft. Damit wurden 41 Mrd. € Umsatz erzielt. Das sind 37.000 € pro Fahrzeug, wozu auch Mini und Rolls-Royce gehören.

Gesamtumsatz waren 45 Mrd. €, damit wurden 3,3 Mrd. € Gewinn erzielt. Das sind 7% Umsatzrendite.

An Umsatzmenge ist das Q2 und das 1.HJ 2015 ein neuer Rekord für BMW. Und das während andere Hersteller, wie Peugeot, nur mit Staatsbeteiligung überleben können.

BMW Absatzmengen nach Fahrzeugmodell
BMW Absatzmengen nach Fahrzeugmodell

Dazu kommen die Mini-Modelle und Rolls-Royce sowie die Motorräder.

BWM hat es geschafft seit 1999 jedes Jahr Gewinn zu erzielen. Selbst 2008 und 2009, Jahre mit ungewisser Zukunft, wurden 500 Mio. € Gewinn erzielt. Auch durch Sparmaßnahmen aber ohne Massenentlassungen.

Der Cash Flow sieht nicht ganz so gut aus. Auch hier mussten über die letzten Jahre Schulden aufgenommen werden. Zwar ist das EK seit 2010 um 61% auf 37 Mrd. (2014) gestiegen. Jedoch im gleichen Zeitraum auch das FK um 37% bzw. 32 Mrd. €.

Der schwache Cash Flow und die Verschuldung sind Punkte, an denen BMW arbeiten sollte. Ansonsten ein attraktives Unternehmen, mit einem ausgezeichneten Management.

Daimler

Nun zu Mercedes Benz oder wie das Unternehmen heute heißt, Daimler. Auch hier sind die Gewinne der letzten Jahre beeindruckend. Nur 2001 und 2009 wurde seit 1999 ein Verlust erzielt. Eine ähnlich gute Bilanz wie BMW.

Basis ist auch hier der Q2 Bericht 2015. Im 1. HJ 2015 konnte ein Umsatz von 72 Mrd. € erzielt werden. Dieser teilt sich wie folgt auf:
Westeuropa 12 Mrd. €
Deutschland 11 Mrd. €
NAFTA 23 Mrd. €
China 7 Mrd. €
Rest Asien 10 Mrd. €
Sonstige Märkte 9 Mrd. €

Im Q2 konnte Daimler 715.000 Fahrzeuge verkaufen. Darunter 501.000 Mercedes Benz Cars und 125.000 Daimler Trucks.

Daimler beschäftigt 285.000 Mitarbeiter weltweit. Der Umsatz im 1. HJ lag bei 72 Mrd. €. Damit wurde ein Gewinn von 4,4 Mrd. € erzielt. Das sind 6,1% Umsatzrendite.

Daimler muss sich, wie BMW, mehr Geld leihen, um sich selbst zu finanzieren. Das wird auch am Cash Flow deutlich. Steigendes Eigenkapital bei steigenden Schulden. Für einen Value Investor kein guter Kompromiss.

Das KBV liegt aktuell bei 1,6. Dazu kommen eine attraktive EK-Rendite, jedoch "erkauft" durch Schulden. Die Dividendenrendite ist attraktiv, der Free Cash Flow jedoch negativ. Die Summe aller Kennzahlen macht Daimler aktuell (bei dem Kurs) nicht interessant für Value Investoren.

Volkswagen

Nun zum Grund der ganzen Analysen. Ich will nicht nur die Automobilbranche an sich vergleichen, sondern speziell die Einordnung von Volkswagen in der aktuellen Krise analysieren.

Bei Volkswagen ist wieder der Q2 2015 Bericht die Quelle. Im 1. HJ wurden 5,09 Mio. Fahzeuge verkauft. Ob es im Gesamtjahr mit den 10 Mio. klappt, mag ich angesichts der Probleme zu bezweifeln.

Es konnte ein Umsatz von 109 Mrd. € erzielt werden. Zum Vergleich, GM hatte 74 Mrd. $ erzielt.
Der Gewinn betrug 5,6 Mrd. €. Das sind 5,1% Umsatzrendite.

Bei den Auslieferungen an Fahrzeuge ist der China-Anteil im Gegensatz zum 1. HJ 2014 um 4% gesunken. Übrigens wurden im 1. HJ 2015 genau 17 Bugatti ausgeliefert.

Der Absatz und der Umsatz bilden sich wie folgt ab.

Volkswagen-Konzern Absatz und Umsatz 1. HJ 2015
Volkswagen-Konzern Absatz und Umsatz 1. HJ 2015

Der Absatz aller Marken verteilt sich nach Regionen so:
Europa / übrige Märkte 2,3 Mio.
Nordamerika 0,46 Mio.
Südamerika 0,28 Mio.
Asien-Pazifik 2 Mio.

VW hat es geschafft seit 2000 kein Jahr mit Verlust zu beenden. Im Rekordjahr 2012 konnte ein Gewinn von sagenhaften 22 Mrd. € erzielt werden.

Seit 2010 ist das EK um 109% auf 96 Mrd. € gestiegen. In der gleichen Zeit aber auch das FK um 82% auf 278 Mrd. €. Auch hier eine Schuldenentwicklung, die mir nicht gefällt. Und das in einem sehr günstigem Zinsumfeld.

Vergleich

Ich wollte die Unternehmen im Schnellcheck vergleichen, keine Tiefenanlyse machen. Daher auch die kurzen Ausführungen.

Peugeot ist bei der negativen Rendite und einem KBV von 1 zu hoch bewertet.

Toyota ist solide, jedoch mit einem KBV von 1,4 kein Schnäppchen. Zu einem guten Einstiegskurs jedoch möglicherweise attraktiv.

GM zahlt wenig Dividende, was aber nicht schlimm ist. Der Free Cash Flow ist zwar gut, jedoch werden für weitere Investitionen Schulden gemacht. Das KGV von 20 ist auch nicht sehr attraktiv.

BMW hat grundsolide Zahlen. Ein KGV von 10 und ein KBV von 1,3 überzeugen. Rendite ist auch genug vorhanden. Bei einem Kurs unter 75 könnte man beginnen einzusteigen. Kurse unter 60 sind ein kleines Schnäppchen. Bei 60 wäre das KBV bei 0,93.

Daimler hat in letzter Zeit viel erreicht. Neues Produktdesign, besseres Image. Das ist auch am Aktienkurs zu sehen. Ein gutes Unternehmen, jedoch mit vielen Schulden, wie fast die ganze Branche. Rendite und KGV stimmen. Mit einem KBV von 1,6 jedoch zu teuer. Ich habe 2012 nicht gekauft, da war der Kurs bei 36. Auf dieses Niveau müsste er wieder kommen, damit es als Value Investor interessant wird.

Volkswagen hat aktuell die beste Bewertung in den Kennzahlen. Was aber daran liegt, dass die Einflüsse der Krise noch nicht wirken: Absatzverlust, Strafzahlungen, Rückrufaktionen, Imageschaden. Die Latte der Risiken ist lang.

Auch VW ist hoch verschuldet, muss jetzt zudem Rückstellungen buchen. Gewinn wird wohl vorerst keiner mehr erzielt. Zumindest wäre VW schlau, mit den Rückstellungen jetzt Streuern zu mindern. Rendite ist gut, EK-Quote im Vergleich ok, KGV sogar das Beste im Vergleich. Das KBV von 0,6 lässt jeden Value Investor aufhorchen. Doch müssen die Risiken dagegen gerechnet werden.

Das Gap zwischen einem KBV von 1 und 0,6 sind 42 Mrd. € Eigenkapital. Heißt, sollte VW 42 Mrd. € EK "verlieren", dann wären sie mit dem aktuellen Kurs von 101€ bei einem KBV von 1.

Vermutlich wird aber der Kurs weiterhin für ein KVB < 1 sorgen, egal wie sich das EK entwickelt.


Umsatz und Gewinn Historie
Umsatz und Gewinn Historie 

Hier zu sehen die Zusammenstellung von Gewinn und Umsatz der sechs Unternehmen. Peugeot ist besonders schlecht mit stagnierendem Umsatz und fünf von acht Jahren Verlust.

BMW und VW haben das beste und stabilste Umsatzwachstum. Bei Daimler sieht man das Comeback seit 2009, auch verbunden mit der Modelloffensive.


Kennzahlenvergleich Automobilunternehmen
Kennzahlenvergleich Automobilunternehmen

In der Kennzahlenübersicht ist VW -erwartungsgemäß- am besten. Liegt aber daran, dass es noch die Vor-Krise-Zahlen sind, verglichen mit dem aktuellen Aktienkurs.

Fazit

Ab einem Kurs von rund 93€ hat Volkswagen ein KBV von 0,5. Volkswagen ist ein Konzern, nicht nur die Marke VW. Volkswagen PKW trägt "nur" ca. 50% zum Umsatz bei. Porsche und Audi machen zusammen ca. 38% Umsatz aus. Somit sind nicht alle Marken von dem Skandal betroffen.

Trotzdem sehe ich VW vor einem Konzernumbau und einer Umstrukturierung. Compliance ist ein Prozess, eine Organisation, ein Wille des Managements. VW hat da anscheinend viel Nachholbedarf. Das wird Zeit und Geld kosten, VW am Ende aber vielleicht sogar stärker machen.

Sollte der VW-Aktienkurs nochmal unter 93€ fallen, überlege ich einzusteigen. Als Katalysator könnte hier der Gesamtmarkt wirken. DAX-Krise plus VW-Krise kann auch Kurse von 30 ergeben. Es ist gerade mal 6 Jahre her, dass VW bei knapp 30 stand.

Die anderen Unternehmen aus dem Vergleich sind aktuell zu teuer. Allein Toyota, BMW und Daimler erscheinen mir als gute Unternehmen. GM müsste ich mir genauer ansehen für ein Urteil. Peugeot ist ganz klar Schlusslicht. Wenn man böse wäre könnte man sagen, quasi eine französische ABM-Maßnahme.

Damit endet dieser Beitrag. Ich hoffe euch hat das lesen etwas Spaß gemacht und ihr konntet ein paar Ideen und Informationen mitnehmen.

Viele Grüße, nobody

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