Sonntag, 11. Oktober 2015

S&P 500 Performance - einmalige Investition vs. Sparplan

Am Beispiel des S&P 500 habe ich die Effektivität eines Sparplanes überprüft. Basisdaten sind die Jahresschlusskurse seit 1928.

Die Dividenden sind nicht direkt mit einbezogen. Der S&P 500 ist, im Gegensatz zum DAX, ein Kursindex. Das bedeutet er berechnet sich ohne Reinvestition der Dividenden. Der DAX ist ein Performanceindex, dort werden die Dividenden reinvestiert.

Bei einem ETF auf den S&P 500 werden die Dividenden überlicherweise ausgeschüttet. Die Dividendenrendite liegt über die letzten Jahre bei ca. 2% p.a.

Berechnung der Daten


Mit den Daten seit 1928 habe ich verschiedene Szenarien berechnet. Kennzahl ist immer die durchschnittliche, jährliche Rendite. Verglichen wurde eine einmalige Investition mit einem Sparplan, bei dem jedes Jahr der gleiche Betrag in den Index investiert wird. Es gibt vier Zeiträume die berechnet wurden. Die Entwicklung nach 5, 10, 20 und 30 Jahren.

Die Formeln können von euch gern kritisch geprüft werden. Ich hoffe aber ich habe keine Fehler drin. Für die Rendite p.a. bei der Einmalinvestition rechne ich z.B.:
5y: (Jahresendwert 1933 / Jahresendwert 1928) ^ (1/5)-1 = (9,97 / 24,35) ^ (1/5)-1 = -16,36%
10y: (Jahresendwert 1938 / Jahresendwert 1928) ^ (1/10)-1 = (13,14 / 24,35) ^ (1/10)-1 = -5,98%
Verbal heißt das, dass ich Ende 1928 den Index kaufe und fünf Jahre später, also Ende 1933, verkaufe. Dann habe ich eine jährliche Rendite von -16,36%.

Bei dem Sparplan wird die Berechnung etwas umfangreicher. Als erstes ermittel ich wie viel Anteile vom Index ich am Jahresende für 100€ bekomme. Also 100 / Jahresendkurs. 1928 sind das 4,107 Anteile (100 / 24,35). Nun werden jedes Jahr für 100€ Anteile gekauft, je nach Kurs.
Wenn fünf Anteile gekauft sind, dann wird mit dem Jahresendkurs des Folgejahres! verglichen. Heißt konkret, 1928, 1929, 1930, 1931 und 1932 werden Anteile am Index für 100€ gekauft. Ende 1933, also fünf Jahre nach dem ersten Kauf, wird zum Jahresendkurs verkauft.

Die Formel lautet:
5y: (SUMME aller gekauften Anteile * Endkurs nach 5 Jahren / 500€) ^ (1/5)-1
(42,05 Anteile * 9,97 / 500€) ^ (1/5)-1
(0,838) ^ (1/5)-1

Ergebnisse


Es gibt einige interessante Ergebnisse. Ein einmaliges Investment kann den Sparplan deutlich schlagen. Egal wie lang die Anlagedauer ist. Es kann aber auch weniger, oder sogar eine negative Rendite abwerfen.

Wer 2009 bei einem Kurs von 1.115 gekauft hat, der hatte 2014 eine Rendite von 13,05% p.a. Ein Sparplan hätte nur 8,96% p.a. erzielt.

Wer 1984 -bei 167- gekauft und 2014 bei 2.059 verkauft hat, der hatte eine Rendite von 8,7% p.a. Ein Sparplan hätte es nur auf 4,49% p.a. geschafft.

Es ist klar ersichtlich, vor allem über 30 Jahre, dass ein Einmalinvestment deutlich mehr Rendite abwirft als ein Sparplan. Problem daran ist aber klar. Wer hat heute die 72.000€ zum investieren, die einem Sparplan von monatlich 200€ entsprechen? Von daher hat man ja gar nicht die Wahl, sondern muss quasi auf den Sparplan setzen.

Was erkenne ich noch aus den Daten:

1. Der 30-Jährige Sparplan hatte nie eine negative Rendite. Die geringste war 1974. Wer 1974 alle Anteile bei 68 verkauft hat, der hatte eine Rendite von 2,26% p.a. Die Dividendenrendite von 1944 bis 1974 lag jedoch bei 4,3% p.a. Das ergibt zusammen trotzdem stolze 6,6%.

2. Das 30y gesamt (mit Dividenden) schlechteste Endjahr ist 1981, mit einer Rendite von 6,51%.

3. Der Mittelwert bei der 30y p.a. Gesamtrendite liegt bei stolzen 8,4%.

4. Das beste Verkaufsjahr wäre 1999 gewesen. Die Rendite hätte enorme 11,26% p.a. betragen.

5. Der 20y Sparplan war 1974 mit 0,08% p.a. vor Dividenden das schlechteste Jahr zum Verkaufen. 1976 lag der Endkurs des S&P 500 jedoch bei 107, statt 68. Damit wäre die Rendite wieder bei knapp 2% p.a. gewesen.

6. Die Dividendenrendite sinkt relativ konstant in den letzten Jahrzehnten.

7. In den letzten 10 Jahren (2004-2014) lag die Gesamtrendite bei dem 30y Sparplan inkl. Dividenden zwischen 6,5% und 9,3%.

8. Die Gesamtrendite besteht aus der Bardividende (die nicht reinvestiert wird) und der theoretischen Einmalrendite bei Verkauf aller angesparten Anteile des Index. Wird die Dividendenausschüttung konsumiert, dann hat man am Ende der Laufzeit logischerweise nur noch die Rendite aus dem Index. Bei einem DAX ETF wird die Rendite reinvestiert (Performanceindex).

Berechnungen zum S&P 500
Berechnungen zum S&P 500

Schlussfolgerung


Ein Sparplan über einen langen Zeitraum zahlt sich am Ende aus. Wenn man sich den Zeitpunkt des möglichen Verkaufs aussuchen kann, können vergleichsweise niedrige Renditen vermieden werden. 

Als Optimierung kann bei niedrigen Kursen manuell nachgekauft werden. Woher weiß ich wann die Kurse niedrig sind? Ich würde mich am KGV10 orientieren. Also der Durchschnitts-KGV der letzten 10 Jahre. Einen Sofortüberblick gibt es hier. Pauschal würde ich sagen, dass unter 15 über den manuellen Nachkauf nachgedacht werden sollte. Aktuell sind wir bei ca. 25.

Kleines Problem an den 15 ist, dass dieser Wert seit 25 Jahren nicht mehr unterschritten wurde. Aber zumindest das KVG10 halte ich für ein gutes Messinstrument.

Ansonsten bestätigen die Berechnungen, dass ein Sparplan eine sinnvolle Ergänzung zur Altersvorsorge bzw. zum Vermögensaufbau ist. Besonders über eine längere Laufzeit. Die Kosten sind relativ gering und deutlich attraktiver als z.B. aktiv gemanagte Fonds, die sehr hohe Kosten verursachen. 

Der DAX ETF von Black Rock hat einen jährliche Managementgebühr von nur 0,15%. Dazu kommen bei mir 2,50€ Kosten pro Sparplanausführung von meiner Bank. Bei zwei Sparplänen ergibt das 60€ im Jahr. 

Open Data


Ich möchte euch natürlich meine Datenquelle und meine eigenen Berechnungen zur Verfügung stellen. Vielleicht wollt ihr ja damit arbeiten. Über eine Information zu neuen Erkenntnissen würde ich mich natürlich freuen. Vielleicht wird ja ein Gastbeitrag daraus? :)

Rohdaten (mit Link zur Excel): LINK
Eigenen Berechnungen als Excel (.xls): LINK


Viele Grüße,
nobody

Kommentare:

  1. Interessante Überlegungen, die - solange die Aktienmärkte im Zeitablauf steigen - zweifelsohne erkennen lassen, dass ein Investment in Märkte sich auszahlt.

    Die Schlussfolgerung pauschal und regelmäßig in einen Index zu investieren, ist demzufolge für uninformierte und "faule" Investoren absolut die richtige Entscheidung, da somit eine über der Inflationsrate liegende Verzinsung des Kapitals erreicht wird.

    Gleichwohl ist m. E. die Möglichkeit gegeben, den Markt kurz- aber auch langfristig zu schlagen bzw. eine über dem Markt liegende Rendite zu erzielen. Diese Aussage hast du - nobody - bereits durch deine Schlussfolgerung, dass ein Einmalinvestment den Sparplan deutlich schlagen kann, zum Ausdruck gebracht.

    -> infolgedessen besteht die Möglichkeit, durch entscheidungsnützliche Informationsbereitstellung und -verarbeitung Investments zu identifizieren, die vom Markt falsch bzw. fahrlässig bewertet sind. Ein Investition in diese Unternehmen birgt die Chance in sich, eine die Marktrendite übersteigernde Verzinsung zu generieren.
    -> für uninformierte und träge Investoren ist der Sparplan daher mit Sicherheit eine super Alternative zu Rentensparprogrammen oder Tagesgeldanlagen, da über viele Jahre die Marktindizes zw. 2% und 7% p.a. steigen werden.
    -> wichtig ist - um den Ausfall einzelner Investments im Zeitablauf abzufedern -, dass eine zweckadäquate Diversifizierung erfolgt, die durch ein Index-Investment erreicht wird.

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  2. Hallo Ro Be, danke für den interessanten Kommentar. Zu den Punkten.
    1. Markt schlagen: Ich halte es für sehr schwer den Markt langfristig zu schlagen. Besonders über Jahrzehnte gelingt dies nur sehr wenigen Menschen auf der Welt. Eine Einmalinvestition in den S&P 500 schlägt den Sparplan über 20 oder 30 Jahre. Natürlich nur bei dem gleichen Betrag. Aber das gilt für Aktien nur, wenn die richtigen ausgewählt werden. Und genau das ist der Vorteil an einem Index.

    2. Vom Markt falsch bewertete Unternehmen sind genau das Ziel eines Value Investors. Ein Beispiel habe ich eben vorgestellt: Joy Global. Ob das Investment allerdings ein Erfolg wird, das bleibt abzuwarten. Bei meinem Sparplan auf den DAX, mit Anlageziel 2045, bin ich da entspannter. ;)

    3. Man sollte sich nicht überschätzen. Es geht nicht um uninformierte Personen, die man schlagen kann. Die relevanten Informationen sind für alle frei zugänglich. Die Bewertung dieser ist die Herausforderung. "Spiele nicht das Spiel der anderen, spiel dein eigenes." --> Das ist das Motto der Value Investoren.

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